Die Launen der Friseure

18. Februar 2018 § 2 Kommentare

Alle Zeichnungen: Dieter Motzel

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Die Hölle ist leer

13. Februar 2018 § 14 Kommentare

Alle Linoldrucke: Dieter Motzel

Die Hölle ist leer

„ Die Hölle ist leer, alle Teufel sind hier“, schrieb Shakespeare seinem nassen Akteur auf den Leib, der gerade im tosenden Meer ums Überleben kämpfte. Halb am Absaufen kann man so etwas schon mal in Richtung Himmel schreien, solange jedenfalls der Kopf noch über Wasser ist. (In solchen misslichen Situationen beklagt man ja gerne die Abwesenheit von Gott, … aber was wäre, wenn er anwesend ist? Also, außer, dass man dann nicht so laut schreien müsste.). Keine Sorge, Ferdinand, Sohn des Königs von Neapel, die ganze Chose hast du Ariel, dem Luftgeist, zu verdanken, und der wird dich auch retten. Sag ich mal so, weil ich in der privilegierten Lage bin, das Ende des Stücks bereits zu kennen, während der gute Ferdinand noch zappeln und Wasser schlucken muss. (Es hat Vorteile, das Ende bereits zu kennen, vermindert in der Regel aber die Spannung. Manchem Politiker raunt man ja nach, dass sie alles vom Ende her denken. Ich hoffe dann meist, dass sie dieses Ende bald mal finden, damit sie endlich mit dem Denken beginnen können.). „Es ist nicht ein Haar umgekommen, und auf ihren Kleidern ist nicht ein Flecken, sondern sie glänzen frischer als zuvor“ … und müssen nicht mal auf den Wäscheständer, möchte ich noch ergänzen, ohne zu wissen, wie es 1611, als Shakespeare seinen Sturm uraufführte, mit Wäscheständern bestellt war. Ariel gab es immerhin schon;) Ja, die Geister, die ich rief, … die guten wie die bösen haben meist einen Auftraggeber, der höchst irdischer Natur ist. Bei Shakespeare ist es Persil, sorry, Prospero, der seinem dienstbaren Luftgeist auch gleich klar machte, wie’s läuft: „Ariel, du hast meinen Auftrag pünktlich ausgerichtet, aber es ist noch mehr Arbeit, …“ (Das nennt man Motivation, ein bisschen Lob am Anfang, und dann der Fingerzeig …). Seinen Stücken nach zu urteilen, war Shakespeare mit allen menschlichen Unzulänglichkeiten bestens vertraut. Er wusste, dass Himmel und Hölle der Raum ist, durch den wir uns alltäglich bewegen. Zusammen mit all den Geistern die uns umtreiben. Bei uns, dem geneigten Leser und mir, sind es natürlich nur die guten Geister, ist doch klar!

dm

Bimbammel

8. Februar 2018 § 6 Kommentare

Foto: dm

Bimbammel

Donnerstag ertönt die Handglocke, irgendwann zwischen 15 und 17 Uhr. Ihr Gebimmel ist trotz reichlich Verkehrslärm kaum zu überhören. Ein aus der Zeit gefallener Anachronismus, der im grünen Sprinter vorfährt. Geparkt wird in der zweiten Fahrspur einer vielbefahrenen Straße. Die hintere Tür des Kastenwagens öffnet sich und Kartoffeln, Karotten und Eier wechseln den Besitzer, verbunden mit einem kleinen Plausch über die Alltäglichkeiten des Lebens, und ab einem gewissen Alter, die der Krankheiten und des Sterbens. Es sind viele Ältere, die das Angebot ihres Bauers nutzen, um wenig später mit mühsam ausbalancierten Frisch-Ei-Paletten auf dem Arm, die wenigen Lücken im dichten Verkehr suchen, die ein einigermaßen sicheres Überqueren der Straße erlauben. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass alternative Angebote nur wenige Meter entfernt zu finden sind. In unmittelbarer Nähe zur Innenstadt findet man hier alle Dinge, die man zum täglichen Überleben braucht, und alles ist in Schlagdistanz. Die nächste Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs ist eine Minute Fußweg entfernt. Rein theoretisch steht die Welt zum Einkaufen offen. Nach 30 Minuten S-Bahn-Fahrt kann man sich in Frankfurt ausspucken lassen, um die Kleine Markthalle zu plündern, oder wahlweise am Flughafen aussteigen. Guter Anschluss und einen gut gefüllten Klingelbeutel vorausgesetzt, kann man seine Kartoffeln zwei Stunden später auf einem römischen Markt einkaufen und nach einem guten Mittagessen ist man abends wieder zurück. Wir leben schließlich in einer globalisierten Welt.

Foto: dm

Den wenigen Leuten, die am grünen Sprinter stehen und ihre Kartoffeln kaufen, wird dieses wirtschaftliche Konstrukt der globalisierten Welt, das zur Erklärung von vielem Unsinn im Positiven wie im Negativen herhalten muss, recht egal sein. Für sie ist es wichtig, dass am Donnerstag die Handglocke bimmelt, und sie den Bauern persönlich befragen können, ob die Kartoffeln gut schmecken und wie das Wetter der nächsten Tage so wird. Und das ist ja nicht schlecht. Na ja, bis auf das Wetter vielleicht. Bauernregeln ist auch nur bedingt zu trauen.

dm

Foto: dm

Nachts sind alle Farben erfunden

3. Februar 2018 § 22 Kommentare

Eine Schmierzettel-Leinwand. Dieter Motzel

Nachts sind alle Farben erfunden

„Wollen Sie die Farbinformation verlieren?“, fragt freundlicherweise mein Bildbearbeitungsprogramm, wenn ein Farbbild in Graustufen umgewandelt werden soll. Es sei nur am Rande bemerkt, dass das Bild dabei natürlich mehr verliert, als nur die Farbinformation. Ich kann mich nicht erinnern, dass der Winter mir diese nicht unwichtige Information, als Option zur Verfügung gestellt hätte. Ich musste einfach hinnehmen, dass die Farbinformation über Monate verloren ging. Grau, Grau und Grau, gerne zusammengefasst als Grau-in-Grau. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung, lässt uns der Deutsche Wetterdienst wissen, ist ein Winter noch nie so grau und trüb gewesen wie der diesjährige. Erstaunlich, dass ein Farbreiz, der dunkler als Weiß und heller als Schwarz ist, so bestimmend sein kann. Das Adjektiv gräulich ist mit Abscheu und Widerwillen verbunden, und so ziemlich alle grauen Wortverwendungen enden irgendwo in diesem Bereich. Vom Alltagsgrau bis zur grauen Maus summiert sich viel Negatives auf eine Farbe, die gar keine ist. Grau sollte als Gefühl bezeichnet werden, oder als eine Emotion, die kräftig nach unten Austritt. Wenn ich mir einen solchen Grau-in-Grau-Tag auf den digitalen Bildschirm legen würde, (Bildschirm fixiert, wie wir nun mal sind), könnte ich theoretisch 256 Grauabstufungen wahrnehmen. Immerhin ein schönes Spektrum zwischen Schwarz und Weiß, das uns einen grauen Tag differenzieren lassen würde. In Anbetracht dessen, dass das menschliche Auge so grob geschätzt 60 Grautöne unterscheiden kann, hätte der 256-Grauabstufungen-Tag immer noch mehr zu bieten, als wir wahrnehmen. So gesehen, hat ein Grau-in-Grau-Tag noch reichlich Luft nach oben, wenn wir sie nur wahrnehmen könnten.

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldener Baum“, lässt Goethe in seinem Faust sprechen. Rein praktisch bin ich weniger bei Mephistopheles, der verheißungsvoll das Leben in grüngoldener Verlockung erscheinen lässt, als Zeichner mag ich einfach den grauen Sumpf aus verschwärzlichter Farbpampe, hier fühle ich mich rechtschaffen wohl. Aristoteles, der in seinem Werk „Über die Sinne“ zu der Annahme kam, dass Farben sich in unterschiedlichen Mischungen aus Schwarz und Weiß zusammensetzen, erscheint mir dann näher, völlig unabhängig von allen physikalischen und neurologischen Erkenntnissen. Einige halten Farben sowieso nur für eine Erfindung unseres Gehirns. Der Ursprung aller Bilder ist für mich Schwarz-Weiß in vielen Schattierungen, und die Farben mag sich bitte jeder selbst denken.

dm

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel. Wer hier eine Farbe entdeckt, der hat sie sich erfunden.

Er stürzte vom Himmel wie ein Blitz

25. Januar 2018 § 18 Kommentare

Der Teufel steckt im Detail

Wenn man nicht ganz bei der Sache ist, wird aus dem eigenen fahrigen Tun schnell Fahrlässigkeit. Es war wenig überraschend, dass die Wäscheklammer meine kleine Schwäche nutzte und zubiss. Keine große Sache, sie erwischte die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich war allein, deshalb schrie ich nicht vor Schmerz auf und verzichtete auch gänzlich auf minutenlanges Rumgejammere. Der Teufel, diese gestürzte Lichtgestalt, hatte sich in meinem Wäscheständer verfangen. Das wurde mir klar, als die Konstruktion noch meinen Daumen quetschte. Beim Ausklappen der Seitenteile spielten die Scharniere Fallbeil. Mein Glück, dass Rundrohre keine scharfen Kanten haben. Kein Aufschrei kam durch meine Lippen, der Teufel sollte nicht siegen, außerdem musste ja die Wäsche noch aufgehängt werden. Zwangsläufig beschäftigte mich der Gedanke, welche Rolle der Wäscheständer im Waffenarsenal des Teufels spielt. Ich erinnerte mich daran, dass vor Monaten der Wäscheständer einer Nachbarin spurlos verschwand, also ohne Wäsche, nur der Ständer. Wer klaut schon einen Wäscheständer, wenn er nichts Großes damit plant? Wir kennen solche Bilder, wenn tausende Wäscheständer durch die Straßen laufen und Parolen skandieren. Ähnlich wie Karteileichen, die in Parteien oder Vereinen, jenseits der aktiven Arbeit ihr Mitglieder-Dasein fristen, um dann bei wichtigen Abstimmungen von Vasallen herangekarrt werden. Jede Stimme zählt, und gibt auch schön Kaffee und Kuchen oder ein Herrengedeck. Warum sollte es also keine Wäscheständer-Revolution geben, wenn der Teufel das so will?

Seit vielen Jahren wohnt im gegenüberliegenden Haus eine japanische Familie. Ein Wäscheständer wird dort fast täglich neu bestückt. Regelmäßig schaut die Frau nach der Wäsche, prüft jedes Stück sorgsam, so manches wird hierhin und dorthin umgehängt. Der Trocknungsprozess der Wäsche wird mit ihren Händen sorgsam begleitet. Manchmal denke ich, dass erst die Aufmerksamkeit, die sie jedem Wäschestück zukommen lässt, eine Trocknung überhaupt möglich macht. Was bleibt, ist das sichere Gefühl einer Beständigkeit. Auch wenn sich die ganze Welt verändert. Solange auf ihrem Balkon die Wäsche trocknet, ist alles in Ordnung und der Teufel hat keine Chance.

dm

 

Alle Linoldrucke: Dieter Motzel

Meerzeugs

17. Januar 2018 § 11 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Meerzeugs

Der Strand war menschenleer. Ein feiner, unangenehmer Nieselregen brachte den Gedanken, sich am Wasser bewegen zu wollen, schnell zum Erlöschen. Einige Cafés jenseits der Strandpromenade wären sicher für einige verlockender gewesen, aber sie hatten alle geschlossen. Einzig vor einem Hotel war so etwas wie Betriebsamkeit zu spüren, ein Bus hielt davor. Auf die Entfernung betrachtet, bestand seine Fracht aus leuchtender Funktionskleidung, die sich sehr schnell bewegte, um in das trockene Hotelfoyer zu gelangen.

Zeichnungen: Dieter Motzel

Am vergangenen Tag und schlimmer noch in der Nacht, hatte hier ein Sturm mächtig geblasen und die Schaumkronen der aufgewühlten See am Ufer verteilt. Der gelbe Schaum, den die Gischt auf den zu Hügeln aufgetürmten Tang und Algen hinterließ, garniert mit allerlei Plastikmüll, zeichnete spiegelbildlich am Ufer die Wellen ab, die alles hierhin transportiert hatten. Gestaffelte Wälle für alles, was im Meer seinen Halt verloren hatte. Dazwischen lagen Unmengen an Schalentieren als lohnendes Bankett für spitze Schnäbel. Unter den Schuhsohlen knackten feine Panzer und der Kalk von Muscheln. Hin und her geschoben von der Kraft des aufgewühlten Meerwassers, gab der feine Sand des Strandes lange verschwundene Dinge frei, und ließ andere wieder für lange Zeit verschwinden, vielleicht auch nur bis zum nächsten Sturm.

Zeichnungen: Dieter Motzel

Ob die tote Möwe nun freigespült, oder aber gerade vom Wasser vergraben wurde, kann wohl keiner so genau sagen. Die nassen Federn boten dem Wasser keinen Widerstand mehr, und obwohl er es augenscheinlich nicht war, wirkte der Körper mit den antennenartigen abstehenden Federn arg zerrupft.

Zeichnung: Dieter Motzel

Auf einem Holzsteg der ins Meer hinaus ragte, und vor dessen Betreten ausdrücklich per Schild gewarnt wurde, hatte sich eine junge Möwe niedergelassen, um jeden den Zugang zu erschweren. Resolut und sehr lautstark, nahm sie ihre Aufgabe sehr ernst. Nach einem minutenlangem Gezeter war sie so heiser, dass nur noch ein leises Krächzen zu vernehmen war. Dem Meer war auch die Puste ausgegangen, und nur der Wind war noch bei der Arbeit und riss ein Loch die Wolkendecke.

dm

Heute Kulinarisches: Sandwich

12. Januar 2018 § 15 Kommentare

Digital-Druck in fünf Farben. Dieter Motzel

Heute Kulinarisches: Sandwich

Wie ich eine S-W-Zeichnung in 5 Scheiben schneide, diese in Schichten übereinander lege und im Drucker überbacke.

Ein günstiges und gesundes Kunst-Gericht, das sich in einer kleinen Küche ohne großen Aufwand bewerkstelligen lässt. Ob für 2 oder für 12 Gäste, diese Mahlzeit gelingt auch dem ungeübten Koch. Dank ausgewogener Zutaten hat es einen ausgezeichneten Nährwert und belastet auch den schmalen Geldbeutel nur gering. Erstaunlicherweise macht es trotz ausreichender Sättigung Appetit auf mehr, und das ist nicht gering zu schätzen. Aber aufgepasst: Bei allzu schöner Dekoration mit herzerfrischenden Farben, wird man die Geister Gäste, die man rief, nicht mehr los.

Jedes Rezept fängt mit den Zutaten an. Ein Blick in den Vorratsschrank könnte nützlich sein, dort wird sich vielleicht noch einiges von dem finden, das wir brauchen werden. Ansonsten kann ein Besuch auf dem örtlichen Wochenmarkt nicht schaden, dort kann man den fehlenden Rest besorgen. Alle Zutaten, die wir für unser Sandwich brauchen, sind haltbar, können also schon Tage vorher besorgt werden, ohne dass es zu einem messbaren Qualitätsverlust kommt. Natürlich gilt aber auch hier: Je frischer, desto besser! Der Zeitgeistperformte kann gerne auf regionale Bio-Produkte zugreifen (ich selbst nutze solche Einkäufe gerne, um mir Tiefkühlpizzen für den kleinen Hunger zwischendurch zu besorgen, die sind immer so schön schmackhaft, und außerdem geht nichts über eine guten Analogkäse).

Was in der Küche vorhanden sein sollte:

1 Arbeitsfläche

1 Drucker

1 Scanner

1 Rechner (mit einem Bildbearbeitungsprogramm)

1 Doppelsteckdose (eventuell vorher die Stromrechnung noch bezahlen)

1 Holzbrett

1 Klopfer

Diese Zutaten müssen besorgt werden:

6 Blatt A4 Kopierpapier (80/90g)

1 Bleistift

1 Pinsel

2 EL schwarze Tusche

Zeichenpapier A4 (120/140g), Menge und Sorte nach Hunger und Geschmack

Salz und Pfeffer

0,7l Rotwein

Der ungeübte Koch sollte sich nicht unnötig einem Druck auszusetzen. Deshalb rechtzeitig mit der Arbeit beginnen, damit nicht die ersten Gäste schon in der Tür stehen, während man noch mit den Einkäufen beschäftigt ist. Ist die Arbeitsfläche frei von störenden Dingen, wie Müllbehälter, die noch in Gut oder Böse getrennt werden müssen, kann die Arbeit beginnen. Als Erstes legen wir das Holzbrett vor uns auf die Arbeitsfläche, hier bitte auf ein sauberes und planes Aufliegen achten. Nun nehmen wir den Klopfer und schlagen damit dreimal auf das Holzbrett (nicht mehr, nicht weniger). Dieser Vorgang wird für ein gutes Gelingen sehr nützlich sein. Wer beim Holzklopfen bemerkt, dass seine Muskeln noch verkrampft sind, sollte sich nun einen Teil des Rotweins in ein Glas füllen und dieses in kurzen zügigen Schlucken leeren. Mit einer Entspannung der Muskulatur kann nun in Kürze gerechnet werden. Als nächstes legen wir ein Blatt Kopierpapier vor uns auf die Arbeitsfläche und zeichnen mittels des Bleistiftes eine wunderbare Vorlage für unser Sandwich. Es obliegt ganz dem Koch, wie weit er hier ins Detail gehen mag. Dem einen genügt eine grobe Skizze, der andere mag gerne friemeln, es gilt: wie es euch gefällt. Nach getaner Arbeit wird diese Vorlage völlig überflüssig sein und kann im Altpapier entsorgt werden. Verliebt euch also nicht in eure Vorlage, sondern freut euch lieber auf das fertige Sandwich. Die Vorlage ist nur das Mittel zum Zweck.

Die Vorzeichnung

Der geübte Koch kann sich nun schon das fertige Kunst-Gericht imaginieren und könnte die weitere Arbeit einstellen. Der ungeübte Koch sieht nur eine Bleistift-Zeichnung. Und genau diese muss er nun in fünf Farben zerlegen. Schritt für Schritt ist das relativ einfach, dazu haben wir ja die Vorlage. Wir nehmen nur ein weiteres Blatt Kopierpapier und legen es passgenau auf das Vorlagenblatt. Beide Papierblätter sollten ganz genau übereinanderliegen, so als würde ein einziges Blatt vor euch liegen. Nun übertragen wir mit dem Bleistift die wesentlichen Fixpunkte der Vorlagen-Zeichnung, die wir für eine Farbe brauchen, auf das darüber liegende Papier. Wer nicht durch Papier schauen kann, um die Zeichnung zu übertragen, sucht sich ein Fenster, am besten geputzt, sodass Tageslicht durch die Scheiben dringen kann. Wer beide Blätter auf der Fensterscheibe positioniert, wird feststellen, dass er doch durch Papier schauen kann, und einer Übertragung vom einen zum anderen Blatt sollte nichts mehr im Wege stehen. In unserem Beispiel aus dem Kochbuch wird als erste Farbe die „Zeichnungsfarbe“ übertragen. Diese Farbe trägt die wesentlichen Informationen unseres späteren Sandwichs in sich. Den Bleistift-Übertrag bearbeiten wir nun mit Pinsel und Tusche, bis das Ergebnis einigermaßen mit unseren Vorstellungen korrespondiert.

Die „Zeichnungs“farbe

Ausgehend von unserer Vorlage verfahren wir mit allen Farben so, wie mit der Ersten beschrieben. Das sieht am Ende dann so aus.

Die Hintergrundfarbe

Die Vordergrundfarbe

Die Figurenfarbe

Die Zusatzfarbe für einzelne Elemente

Wenn die fertigen Blätter vor uns liegen, können wir damit beginnen, sie einzuscannen. Man muss immer auf Passgenauigkeit achten, d. h. immer kantengleich anlegen, immer die gleiche Größe beibehalten, in unserem Fall A4. Die Scans werden nun in einem Bildbearbeitungsprogramm jeweils mit unserer Wunschfarbe eingefärbt. Der Drucker kann nun vorgeheizt werden und es ist an der Zeit, sich das zweite Glas vom Rotwein zu gönnen. Wenn der Drucker auf Temperatur ist, schicken wir die erste Farbe, die wir drucken wollen zu ihm. Unser Sandwich nimmt nun Form an, wenn wir das Zeichenpapier in beliebiger Menge mit der ersten Farbe bedrucken. Sind die Blätter bedruckt, wiederholen wir den Vorgang mit der zweiten Farbe. Dann kommt die Dritte dazu, bis alle Farben einzeln gedruckt sind. Fertig ist unser leckeres Sandwich. Wer mag, kann mit Salz und Pfeffer den Geschmack abrunden. Guten Appetit!

Die Vordergrund- und die Hintergrundfarbe im Zusammendruck

Als dritte Farbe (und als dritter Druckgang) kommt die Figurenfarbe dazu

Deshalb heißt die Zeichnungsfarbe Zeichnungsfarbe. Der vierte Druckgang

Mit dem fünften Druckgang: Ich hab fertig.
Alle Abb.: Dieter Motzel

Wie es beim Kochen halt so ist, in diesem kleinen Kunst-Gericht stecken schon fast alle Prinzipien, die für eine mehrfarbige Original-Grafik ihre Gültigkeit haben.

dm