Land Art 6: Ron Felderskoop

3. Februar 2013 § 44 Kommentare

Wennersdorfer Betonbaum (Detailansicht)Alle Rechte: Ron Felderskoop

Wennersdorfer Betonbaum (Detailansicht)
Alle Rechte: Ron Felderskoop

Land Art 6: Ron Felderskoop

Ron Felderskoop, der junge deutschstämmige Australier war eine der ganz großen Entdeckungen des Fliederstädters Land-Art-Festivals, das 2007 für Furore sorgte und einige Talente in den Focus einer internationalen Öffentlichkeit stellte. Er betörte die Festivalbesucher mit einer fundamental wuchtigen Arbeit, die bis dahin ihres Gleichen suchte, und der selbst Kritiker eine „leidende Poesie“ nicht absprechen konnten. Zu dem damaligen Fliederstädter Land-Art-Areal gehörten, neben der sogenannten Welfenwiese, auch das sich daran anschließende Lustschlösschen, das Landgraf Ferdinand IV im ausgehenden 17. Jahrhundert in einer kleinen Parkanlage erbaut hatte. Mit rund einem Dutzend Handwerker aus der Umgebung verschalte Felderskoop den Südwest-Flügel des architektonisch wenig auffälligen Baus und goss ihn mit Beton aus. Diese massive Arbeit mit dem Titel „innen fest, nach außen hart“ wurde später von der Guggenfels-Foundation für ein Museumsprojekt in Ranschstetten erworben und bildete den Grundstein einer hervorragenden Sammlung, die unter anderem auch einige wichtige Gemälde von Helfrich Drose umfasst. Dort lässt sich, Sa-So von 10-16 Uhr, diese ganze monumentale Wucht von Felderskoops Fliederstädter-Arbeit hautnah erleben … und ein Besuch lohnt.

Im Sommer vergangenes Jahres hatten HHH (Haushundhirschblog) die Gelegenheit, sich mit Ron Felderskoop, der sich zu dieser Zeit bei einem 14-tägigen Workshop („Vollgeheimnisvoll“, Beton in der Gegenwartskunst) in Deutschland aufhielt, zu einem  Interview zu treffen. Hier einige Auszüge daraus:

HHH:

„Wir freuen uns sehr, Ron, dass Du Dich bereit erklärt hast, uns einige Fragen zu beantworten! Du bist ein vielbeschäftigter Künstler, Ron, und ein vielreisender noch dazu. Bevor Du nach Deutschland kamst, das Du von früheren Aufenthalten ja schon ein wenig kennengelernt hast, warst Du in Japan, um ein größeres Projekt vorzubereiten. Seit einiger Zeit gewinnt man den Eindruck, dass monumentale Arbeiten wieder zum Schwerpunkt Deines künstlerischen Schaffens werden. Ein bisschen überraschend für uns, weil Du ja mit Deinen filigranen Spritzbetongüssen, die vom Format und sicherlich auch vom Aufwand überschaubarer sind, zu einem Publikumsliebling des Kunstmarktes geworden bist. Die Zeit der Entspannung scheint also vorüber, und es treibt Dich wieder zu mehr „Manpower“. Größere Betonprojekte sind ja nicht nur eine geistige Höchstleitung, sondern auch eine riesige körperliche Herausforderung. Beton ist kein Werkstoff der leicht zu handhaben ist. Wir denken dabei auch an Deine großartige Installation der betonausgegossenen Reihenhaussiedlung in Echtershagen, bei der Du die Grenzen des Machbaren erreicht, wenn nicht sogar überschritten hast, zumal die Presse nicht gerade wohlwollend mit diesem hochinteressanten Projekt umging. Unsere Leser sind ganz wahnsinnig daran interessiert zu erfahren, welche Fernsehsendungen Du am liebsten anschaust, wenn Du gerade in Deutschland unterwegs bist?“

Ron Felderskoop:

„Well, ich mag ganz besonders die Natursendungen. Natürlich auch alte Filme mit Luis Trenker.“

HHH:

„Ja, Ron, das können wir gut verstehen. Dein großes künstlerisches Thema ist die Natur, und, diesen wichtigen Punkt dürfen wir hier nicht vergessen, der Schutz der Natur. Vor uns liegt ein wunderbares Buch von Dir. Der bezeichnende Titel „Mein Herz schlägt in Beton“. Es sind darin sehr persönliche Aufzeichnungen zu finden, und wir haben den Eindruck gewonnen, dass Du jetzt auch ein adäquates Gegenstück zu Deiner Arbeit als Bildhauer und Installationskünstler gefunden hast. Der in Beton gegossene Satz, der an Gewicht gewinnt, wie überhaupt die Sprache spritzgegossen erscheint, bei aller Romantik die durchschimmert, ist jeder Buchstabe ein Ausdruck grenzenloser Euphorie für die Natur. Aber auch der beobachtende Blick, der in direkter Linie auf die Künstler der Renaissance verweist, denen Du Dich sehr verbunden fühlst. Damit unsere Leser einen Eindruck gewinnen, haben wir aus dem Buch ein Zitat ausgewählt und wir möchten Dich bitten, es vorzulesen.“

Ron Felderskoop:

„Well, sehr gerne. Ich beginne auf Seite 36 … „Pflanzen kleiden sich sehr unterschiedlich. Die Bananenstaude bevorzugt einen anderen Kleidungsstil, als der Himbeerbusch. Obwohl ich beide Früchtchen mag, finde ich die Bananenstaude irgendwie großzügiger, lässiger. Die Himbeere ist eben ein Gebüsch, verhakt und verästelt, pieksig. Aber immer noch besser als ein Gestrüpp, die ziehen sich gar nicht an, setzen sich aber überall fest. Sie treffen sich pulkend, bösartig fast und raumgreifend. Ja, und die Bäume? Die tun einfach so, als würden sie das alles nichts angehen. Dabei sind sie die ersten, die sich entblättern … und dabei so schutzlos sind. Sie brauchen unseren Schutz, und deswegen beschloss ich, ihnen meinen Schutz zu geben und hüllte sie in eine wärmende Betondecke ein …“

HHH:

„Danke, Ron, für dieses wunderbare Zitat, das einen direkten Bezug auf ein Projekt nimmt, mit dem Du Dich im Frühsommer 2010 in Wennersdorf auseinandergesetzt hast. Vom „Wennersdorfer Betonwald“ hat mittlerweile die ganze Welt gehört, selbst Wikipedia hat diesem Projekt einen Eintrag gewidmet. Du hattest mit vielen Widerständen zu kämpfen, und trotz dieser Widrigkeiten ist es Dir gelungen, ein in der Welt wohl einzigartiges Projekt umzusetzen. Den gesamten Baumbestand des Wennersdorfer Bannwaldes mit einer Spritzbetonschicht zu ummanteln und ihn so haltbarer zu machen. Dein großes Ziel, auf die Verletzlichkeit der Bäume hinzuweisen, hast Du so mit einem außerordentlichen Naturschutzprojekt verschmolzen, das in eindringlicher Weise zeigt, dass Kunst eben auch einen ganz konkreten Nutzen für die Gesellschaft haben kann. Es stellt sich natürlich nun die Frage, weshalb Du die alten Filme mit Luis Trenker so magst?“

Ron Felderskoop:

„Well, mein Großvater väterlicherseits …“

Das komplette Interview werden wir in unserer April-Ausgabe veröffentlichen, aber auch durch diesen kurzen Ausschnitt wird schon deutlich, weshalb Ron Felderskoop zur ersten Garde der Land-Art-Künstler gehört.

dm

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§ 44 Antworten auf Land Art 6: Ron Felderskoop

  • Frau Blau sagt:

    🙂 da muss ich doch breit lächeln …

  • Lakritze sagt:

    Haha! Betonkunst verdient, wie die Motorsägenkunst, eine viel breitere Öffentlichkeit …!

  • puzzle sagt:

    Ich bin sehr an dem kompletten Interview interessiert. Der sensible Zugang des Künstlers zur Zärtlichkeit des Betons berührt mich sehr.

  • Ha, ha… Ich freu mich schon auf das vollständige Interview.

  • Ich lache immer noch! Herrlich auch die Idee, ihn aus seinem Opus vorlesen zu lassen – das klingt doch gleich ganz anders : D

  • Sofasophia sagt:

    well, babe, you make me smile 🙂

  • Wie oft müssen wir noch schlafen, bis April? 😀 Fängt gut an. Merci.

  • Susanne Haun sagt:

    Louis Trenker fand ich gut… 🙂 🙂 da mußte ich lächeln.
    Ich bin ein großer Fan der Landart und die Werke von Robert Smithon und Richard Serra finde ich großartig.
    Ich werde mir mehr von Ron Felderskoop anschauen, Beton ist ein interessantes Material.
    Grüße von Susanne

  • Roswitha Mecke sagt:

    Ich hab das tatsächlich alles geglaubt. Und frage gerade ganz ehrfürchtig meinen Mitbewohner:“ Wo ist denn wieder Wennersdorf?“ Und denke mir im Stillen, gibt ja immer wieder was Interessante zu Entdecken 😉 LG Roswitha

    • Susanne Haun sagt:

      Dann sind wir zwei, Roswitha….. 🙂 wir sind halt dem Neuen immer aufgeschlossen 🙂 🙂 🙂

  • rotewelt sagt:

    Lach mich schlapp! 😉 Filigrane Spritzbetongüsse, Guggenfels-Foundation, hihihi! Köstlich gemacht, danke!

  • Lieber Irgendlink,
    ich muss gestehen, als ich heute diese Kommentarspalte durchlas, war ich tief betroffen. Gut, hier möchte ich keine böse Absicht unterstellen, aber es ist schon außerordentlich befremdlich, dass Du hier versuchst, einen Moorlander unter die Leute zu bringen, wohl wissend, dass es Moorlander nie gab. Es mag dem jugendlichen Alter unserer Leserschaft geschuldet sein, dass sie noch nie etwas vom Rundolph-Skandal gehört haben, der Ende der Neunziger den europäischen Kunstmarkt in seinen Grundfesten erschütterte. Eine junge Volontärin der Times, Christine Mablow, machte ihn öffentlich. Im Mittelpunkt des Skandals standen der (damals) sehr angesehene Kunsthistoriker Dr. Ronald Baker (Ronny, the Sunny) und der Galerist Arthur Rundolph (Art, the Bee). Bei der gerichtlichen Aufarbeitung des Falls kam heraus, dass die Figur Moorlanders am 4. Juni 1995 in einer nachweislich sehr weinseligen Runde erfunden wurde. Wer genau die erste Idee dazu hatte, Baker oder Rundolph, konnte letztlich nicht mehr genau geklärt werden, und soll auch hier keine Rolle mehr spielen, zumal die beiden, meines Wissens, immer noch einsitzen. Eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis lehnten beide einhellig ab. Es wird vermutet, dass die immensen Schadenersatzforderungen, gerade von amerikanischen Sammlern, diesen Entschluss bestärkten. (Unter diesen Sammlern soll auch ein gewisser G. Sopriano sein, vielen vielleicht besser unter seinem Künstlernamen „Schlitzer“ bekannt). Wer sich weitergehend mit diesem Thema beschäftigen möchte, dem sei das sehr lesenswerte Buch von Christine Mablow empfohlen: „Die Moorlander-Connection“. In diesem Buch wird deutlich, was eine herausragende Recherche-Arbeit bewirken kann. Wir können es nur empfehlen … spannender als jeder Krimi. Nun, lieber Irgendlink, ich weiß natürlich nicht, wer genau Deinen Moorlander hergestellt hat, aber es ist schon dreist, ihn hier unter die Leute bringen zu wollen. Sicher, Du magst beim Ankauf dieses Werkes voller Stolz gewesen sein … und natürlich tief bestürzt als deutlich wurde, dass die Schlamm-Bilder Moorlanders keinen Cent mehr wert sind. Damit stehst Du aber nicht allein, denn zahlreiche, darunter auch hochangesehene Kultureinrichtungen, Museen und private Sammler standen nach Aufdeckung des Skandals quasi im Schlamassel.
    LG dm

  • Lakritze sagt:

    Einen Skandal finde ich ja auch, daß die Wikipedia derart schlampig recherchiert … Statt »Wennersdorfer Betonwald« ist dort nur »Wilmersdorfer Betonwand« zu finden. Gleich zwei Flüchtigkeitsfehler in einem Eintrag, und direkt in der Überschrift — das sollte es so nicht geben.

    • Ehrlich? Ich kann mir eigentlich nur vorstellen, das Wiki den Artikel zurückgezogen hat, weil die Server die Aufrufe nicht mehr bewältigen konnten.
      Ob Ron etwa bei der „Wilmersdorfer Betonwand“ Hand angelegt hat?

      • Wieso habt ihr bitte das einzigartige Kölner Kunstwerk Rons nicht erwähnt? Den in Beton ausgegossenen Krater des ehemaligen Stadtarchivs mit Einarbeitung seltener Papierschnipsel aus der Stadtgeschichte? … Wer weiß, wahrscheinlich folgt auch bald das langflächige Ausgießen des U-Bahn-Tunnels…

  • Herrjeh, das ist wirklich schlimm, wie herrlich es doch gepasst hätte. Besonders die „Einarbeitung seltener Papierschnipsel“ hätte gut zu Ron gepasst.
    So weit wir wissen, hat die Kölner Stadtverwaltung angefragt, ob die Möglichkeit bestünde, den historischen Stadtkern einschließlich Dom, mit einer Spritzbeton-Ummantelung zu konservieren. Man weiß ja nie, was die U-Bahn noch so mit sich bringt …
    Danke, Mila, für Deinen schönen Gedanken!

  • Reblogged this on Philea's Blog und kommentierte:
    Einfach großartig! Auch die Kommentare!

  • […] zuzuordnen ist, oder ob es sich dabei um eine aggressive Fälschung durch seinen Widersacher Ron Felderskoop […]

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