Nachricht aus dem Sommerloch

3. August 2013 § 26 Kommentare

Neuerwerbungen der Sammlung Zeller hängen nach einer Handreinigung zum Trocknen auf einer Wäscheleine. Foto: mb

Neuerwerbungen der Sammlung Zuller hängen nach einer Handreinigung zum Trocknen auf einer Wäscheleine. Foto: mb

Nachricht aus dem Sommerloch Lomershausen Werner Zuller begrüßt uns mit einem offenen Blick und einem freundlichen Lächeln. Wir sind an diesem heißen Vormittag mit dem sympathischen Mittsechziger verabredet. Die angebotene Tasse Kaffee in seiner angenehm temperierten Wohnung nehmen wir gerne an und beginnen unser Gespräch mit der ein wenig provokanten Frage: „Die Tassen sind doch sicher handgespült, lieber Herr Zuller?“ Die Antwort überrascht uns. „Nein, nein, nach dem Tod meiner Frau habe ich mir eine neue Spülmaschine angeschafft.“ Vor vielen Jahren entdeckte Werner Zuller seine Leidenschaft für die Kulturgeschichte des Spüllappens. Mittlerweile ist der einstige Betonstanzer in Frührente und kann sich nun ganz seiner Passion widmen. Innerhalb weniger Jahre hat Werner Zuller die weltweit größte und spektakulärste Sammlung von Spüllappen aufgebaut. Er ist Vorsitzender der „Deutschen Spüllappen-Bruderschaft“ mit derzeit ca. 6000 Mitgliedern, und er steht im regen Austausch mit Sammlern aus aller Welt. Eine Kleinanzeige in einem regionalen Anzeigenblatt machte uns auf Werner Zuller aufmerksam: „Suche Sponsoren für einen Museumsneubau in Olderstedt und außerdem gut erhaltene gebrauche Spüllappen, gerne auch historisch vor 1900.“ Der Kontakt war schnell hergestellt und nun wollen wir auch wissen, wie es um das Museumsprojekt, den großen Traum von Werner Zuller, bestellt ist. Zuller: „Mein großer Traum lebt noch immer und ich bin guter Dinge, das Museum für angewandten Abwasch Ende 2016 eröffnen zu können.“ Das wäre wirklich sehr zu wünschen, denn die ausgezeichnete Spüllappen-Sammlung kann natürlich in der Wohnung Werner Zullers nicht die Geltung erhalten, die sie sicherlich verdient. Die Vitrinen sind überfüllt, wunderbare Spüllappen aus aller Welt liegen in Stapeln bis unter den Sofatisch. Einige historisch wertvolle Spüllappen hängen in Bilderrahmen an den Wänden, sicher eine würdige Form der Präsentation. Das für uns eindrucksvollste Stück der Sammlung ist der Spüllappen, der 1294 im Gepäck von Marco Polo den Weg von China nach Europa fand. Dieses außergewöhnlich gut erhaltene Exemplar trägt an seiner unteren rechten Ecke noch den blauen Stempel: „Made in China“. Authentischer geht es kaum. dm Haushundhirsch dankt Werner Zuller, der uns auf seine unnachahmliche Art und mit viel Geduld die Kulturgeschichte des Spüllappens näher brachte!

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§ 26 Antworten auf Nachricht aus dem Sommerloch

  • Pagophila sagt:

    Das Foto illustriert ausgesprochen pittoresk den Charme, den diese Nachricht aus dem Sommerloch versprüht..;-)

  • mickzwo sagt:

    Und ich dachte das Hygienemuseum in Dresden, Sachsen oder etwa das Sackmuseum in Nieheim, Westfalen seien pittoresk. Man lernt doch nie aus. Niemals 🙂

    • Es gibt noch eine ganze Reihe skurriler Museen oder Sammlungen, denen ich gerne mal einen Besuch abstatten würde. Das Sackmuseum klingt da ja auch ganz reizvoll … man lernt tatsächlich nie aus 🙂

  • Ist ja irre!! Museum für angewandten Abwasch haha ^^

    Könnte ich da auch nicht angewandten Abwasch beisteuern, oder?? 😛

  • Tausend sagt:

    Habe 2016 schonmal im Kalender notiert. Ein Museum braucht auch Besucher. Ich hoffe, es wird Sonderausstellungen geben für Spüllappen mit Motivdruck.

    • Sehr gut, dass Du diesen wichtigen Termin vorgemerkt hast. Sicher wird es dann auch Sonderausstellungen geben. So weit wir wissen, steht Zuller in Kontakt mit einem Künstler (aus Ulan Bator), der Spüllappen mit geronnener Yak-Milch veredelt, um sie anschließend in der unterschätzten Technik des Kartoffeldrucks mit Motiven aus dem Leben der Nomaden zu gestalten. Wir lassen uns überraschen.

  • Sofasophia sagt:

    herrlich. danke für den schmunzler zum tag! 🙂

  • ullli23 sagt:

    Meine Betonstanzer-Google-Suche brachte 4 Ergebnisse. 2 Davon endeten hier. Ein äußerst selten gewordener, vergessener Beruf.

    • Überrascht mich schon, dass nicht alle zu uns führten 🙂
      Es ist natürlich richtig, dass der Beruf des Betonstanzers selten geworden ist. Aber es gibt ihn noch. Bei unserem Gespräch mit Herrn Zuller sind wir auch auf seinen früheren Brotberuf aufmerksam geworden. Er stellte uns einige Kontaktadressen zur Verfügung, und wir konnten nun sogar den Arbeitstag eines Betonstanzers miterleben. Wir werden darüber berichten.

  • Ha, ha, so was Lustiges habe ich ja schon lange nicht mehr gelesen. Sachen gibt’s! Dieses Museum würde ich mir doch glatt mal ansehen. Sicherlich eröffnet uns auch eine ausgefallene Sammlung Spüllappen jede Menge neue Erkenntnisse!

    Grüße von Constanze

    • Durch unseren Besuch bei Herrn Zuller haben wir gelernt, dass gerade Spüllappen alles andere als erkenntnisarm sind. Man kann sehr viel über den/die Vorbesitzer erfahren. Einige seltene Stücke werden auch von Generation zu Generation weitergegeben, um schließlich in einer Aussteuerkiste auf einem Dachboden vergessen zu werden.
      Freuen wir uns auf 2016.
      Vielen Dank, Constanze, auch für den Kommentar!
      Grüße auch von uns!
      dm und mb

  • syntaxia sagt:

    Haha, ich glaube, ich hätte sie noch farblich sortiert aufgehängt.
    Habe früher mal eine Zeit lang die Wäscheklammern immer passend zum Wäschestück ausgewählt. Das waren noch Zeiten… als ich diese Sommerlöcher überwinden musste… 😉

    ..grüßt Monika

    • Wir fanden auch, dass die Hängung der Einzelteile ein bisschen nachlässig ausgeführt wurde. Auch bei der Auswahl der Wäscheklammern wurde geschlampt … eigentlich sind das doch die kleinen Dinge, auf die man ein wenig achten kann 😉
      Hoffentlich, liebe Monika, bekommst Du nun keinen Rückfall in alte Zeiten.
      Viele Grüße auch von uns!

  • Wenn ich mal wieder tapezieren muss, werde ich mein Schlafzimmer mit Spüllappen dekorieren.

  • druckstelle sagt:

    Herrlich! In Spionagezeiten wie diesen vermute ich natürlich gleich ein Komplott. Liest sich der Besuch doch ausgesprochen konspirativ. Und nicht zuletzt vermute ich im Foto einen mittels farblicher Anordnung verschlüsselten Code. Also, was steht da?
    Grüße in die noch frische Woche
    Franziska

    • Der deutschen Spüllappen-Bruderschaft ist sicherlich einiges zuzutrauen, allerdings würde ich keine Verschwörung vermuten wollen, wenn sich jeden Mittwoch der Stammtisch der Bruderschaft in Heusenstamm im Gasthof Adler trifft. Es geht dort eher um den regen Gedankenaustausch unter Gleichgesinnten, und der einzige relevante Code, der dort zur Anwendung kommt, ist der rote Spüllappen im Knopfloch der Anzugsjacke.
      Vielen Dank und Grüße auch von uns, Franziska!

  • theomix sagt:

    Hat dies auf Theomix rebloggt.

  • Es ist verdammt notwendig Träume & Leidenschaften auszuleben. Herr Zuller, das kann ich nur immer wiederholen, hat alles richtig gemacht. In seinem Leben ebenso wie mit den Spüllappen.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

    • Träume und Leidenschaften auszuleben, so gut es geht, ist sicherlich richtig. Ob Herr Zuller nun alles richtig gemacht hat in seinem Leben? Hm, wer macht schon alles richtig in seinem Leben? 😉
      Viele Grüße auch von uns!

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