Als ich noch Geduld hatte … Teil 1

9. Februar 2014 § 12 Kommentare

strichdetail1

Detail aus der Federzeichnung „Erster Frost“

Als ich noch Geduld hatte … Teil 1

Als ich noch Geduld hatte, besaß ich eine spitze Zeichenfeder. Ich tauchte sie in nachtschwarze Tusche und streifte Überflüssiges an einem Tuch ab. Auf großen Papierbögen teilte ich dann die Welt mit winzigen Strichen in schwarz und weiß. Manchmal war ich erst zufrieden, wenn das gesamte Papier überzogen war mit kleinen Tuschestrichen, die sich so überlagerten, dass der weiße Untergrund durch ein samtenes Netz aus schwarz hindurch schien. Ein Strich schwarz und kein Strich weiß.

Manchmal verlor ich die Geduld, und ich ließ ausgesparte Stellen auf dem Papierweiß zurück. So ergab sich ein Ganzes. Das Schwarz prägte die Form, das Weiß ließ alles atmen!

dm

Dieter Motzel - Erster Frost, Federzeichnung, ca. 50 x 35 cm

Dieter Motzel – Erster Frost, Federzeichnung, ca. 50 x 35 cm

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§ 12 Antworten auf Als ich noch Geduld hatte … Teil 1

  • Sofasophia sagt:

    wahnsinn, diese bilder. ich wünsch dir geduld, eine feder und ein volles tuscheglas und gaaanz viel zeit. und noch mehr solche bilder! großartig!

  • sehraeuber sagt:

    Die Belohnung für Deine Geduld sind solche Wahnsinnsbilder und die absolute Hochachtung all jener die das zu schätzen wissen!

  • Ulli sagt:

    Geduld, so frage ich mich gerade, ist wohl mit der Zeit verknüpft? In einer Zeit, wo niemand mehr wirklich meint und weiß, dass er/sie Zeit hat, werden solcherlei großartigen Bilder zur Rarität, viel Huschhusch, aber vor allen Dingen viel …
    ich wünsche dir und uns viel Zeit und Geduld!

    • Das Entscheidende ist doch immer, was man wirklich will, liebe Ulli, Zeit und Geduld sind dabei ganz unwesentlich. Qualität ist immer eine Rarität, aber nicht allem, was huschhusch von der Hand geht, kann man diese Qualität absprechen. Aber Du hast recht, wir sollten uns alle viel Zeit und Geduld wünschen … vor allem, wenn man damit etwas anzufangen weiß 😉
      Vielen Dank, Ulli!

  • irisnebel sagt:

    das ist tintenweberei! feine tischware…
    erinnert im ersten bildausschnitt an alte zerschlissene brokatstoffe von edler schoenheit. ich denke, das war unheimlich meditativ. wann hast du sie denn gemacht?

    • Tintenweberei ist ein schönes Wort dafür. Ich weiß nicht, ob eine solche Arbeit meditativ ist, zum Teil sicher, aber meist erfordert sie eine hohe Konzentration. Bei größeren Flächen, die schwarz gestrichelt werden müssen, würde der Begriff meditativ noch am ehesten zutreffen.
      Diese Zeichnungen sind in den 90er Jahren entstanden.
      Vielen Dank, Iris!

  • Das Geduldsspiel kenne ich gut, Dieter. Auch wenn ich nur in langen Sitzungen male. Doch das Spiel zwischen Ungeduld & Geduld in der digitalen Dunkelkammer fühlt sich ähnlich an.

    Und seit ich letztes Jahr angefangen habe meine Fotografien auch tatsächlich auszudrucken mischt sich zur Geduld & Ungeduld auch noch die Detailverliebtheit ein. Es wird nicht einfacher.

    Aber Deine Ergebnisse sind grandios!

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

    • Ich glaube, dieses Spagat zwischen notwendiger Geduld und fiebriger Ergebnisungeduld kennen viele, die sich mit eigener kreativer Arbeit beschäftigen. Aber das macht auch einen Reiz dieser Arbeit aus. Letztlich lernt man es, sich dort zu zügeln, wo es notwendig ist, damit es dem Ergebnis nicht schadet.
      Herzlichen Dank, Florian, und viele Grüße auch von uns!

  • syntaxia sagt:

    Leider fehlt mir gänzlich die Geduld, um länger an einem Bild zu bleiben. Ich finde es bewundernswert, wenn man das kann! Daher meinen Respekt an dich!

    ..grüßt dich Monika

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