Der Natur auf der Spur – Der Scheibenpilz

18. Februar 2014 § 14 Kommentare

Der rötliche Scheibenpilz. Foto: dm

Der rötliche Scheibenpilz. Foto: dm

Der Natur auf der Spur – Der Scheibenpilz

Die Wintermonate sind für die heimische Tier- und Pflanzenwelt eine harte und karge Zeit. Große Teile der Vegetation haben sich im Spätherbst zu einer Reise in wärmere Gefilde aufgemacht, und die verbliebenen Tiere halten die Türen zu ihren unterirdischen Wohnungen von innen fest verschlossen. Nur die Stämme der Bäume müssen ausharren und bleiben festverwurzelt an Ort und Stelle, um auch dem stärksten Frost zu trotzen. Schutzlos sind sie aber ihren schlimmsten Fressfeinden ausgeliefert. Der Scheibenpilz hat sich auf den Verzehr von Bäumen spezialisiert und breitet sich während des Winters unaufhaltsam aus. Der aufmerksame Naturfreund kann ihn zu dieser Jahreszeit sehr häufig in freier Natur beobachten, oder wird zumindest sein zerstörerisches Werk bemerken. Dort, wo ehemals ein stolzer Baum dem Winter widerstand, thront nun ein Scheibenpilz, der den Stamm gänzlich aufgefressen hat. Begünstigt durch den diesjährigen milden Winter und eine geringe Anzahl natürlicher Feinde, entwickelte sich der Scheibenpilz in weiten Teilen des Landes zu einer Plage, der ganze Baumbestände vernichtete, … und dabei leider auch vor jüngeren Gehölzen nicht halt macht.

Der bräunliche Scheibenpilz. Foto: dm

Der bräunliche Scheibenpilz. Foto: dm

Zwei Scheibenpilze wandern weiter, immer auf der Suche nach Nahrung. Foto: dm

Zwei Scheibenpilze wandern weiter, immer auf der Suche nach Nahrung. Foto: dm

Nach der Nahrungsaufnahme verteilt der Scheibenpilz seine Sporen durch die Luft. Gut zu sehen, rechts neben dem Baumstumpf. Foto: dm

Nach der Nahrungsaufnahme verteilt der Scheibenpilz seine Sporen durch die Luft. Gut zu sehen, rechts neben dem Baumstumpf. Foto: dm

Der Scheibenpilz hinterlässt oft eine unübersehbare Spur der Zerstörung. Foto: dm

Der Scheibenpilz hinterlässt oft eine unübersehbare Spur der Zerstörung. Foto: dm

Auch junge Gehölze werden zum gefundenen Fressen des Scheibenpilzes. Foto: dm

Auch junge Gehölze werden zum gefundenen Fressen des Scheibenpilzes. Foto: dm

Tipp für den Pilzfreund:

Obwohl der Scheibenpilz nicht giftig ist, raten Fachleute vom Verzehr ab. Die Zubereitung ist sehr aufwendig und steht in keinem Verhältnis zum Geschmackserlebnis. Allerdings gibt es traditionelle Rezepte, die den Scheibenpilz, frisch und sehr dünn gehobelt, als Sättigungsbeigabe zu einem Teller Pasta empfehlen. In den Supermarktregalen kann man auch fündig werden. Dort wird der Scheibenpilz unter der Bezeichnung „Hartkäse, fein gerieben und getrocknet“ angeboten.

dm

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§ 14 Antworten auf Der Natur auf der Spur – Der Scheibenpilz

  • tanrak sagt:

    Sättigungsbeilage…. ich lach mich tot… so gut !!!! :)))))) toller Bericht !!!

  • Ulli sagt:

    deine Geschichte, verehrter Dieter, bringt mich zum Lachen, der Umstand dahinter ist eher einer, der mich immer wieder traurig hinterlässt … wat mutt, dat mutt, sagen die Waldarbeiter und ich beobachte dann wie es in vielen, vielen Jahren nachwächst …

    • Ja, liebe Ulli, da verstehe ich Dich gut, aber so ist das eben in unserer Kulturlandschaft. Manchmal kann man die Gründe für einen derartigen Kahlschlag nachvollziehen, und manchmal kann man nur ungläubig staunend den Kopf schütteln …
      Vielen Dank, und liebe Grüße!

  • minibares sagt:

    Der hat ja ein Gesicht.
    Schöne Aufnahme

  • Sofasophia sagt:

    mjam! er schmeckt zwar ein bisschen holzig, aber was solls. hauptsache schön!!!!

    • So richtig holzig schmecken nur die älteren Pilze. Geschmacklich würde ich eher von „waldig“ sprechen, mit einem leicht erdigen und mineralischen Nachklang. Eigentlich geht wenig über ein Pils, denke ich mir gerade mal so … 🙂

  • theomix sagt:

    Die Welt verdankt dir unendlich wertvolle Beiträge zur Wissenserweiterung. Die Bilder zeigen einen entsetzlichen Schädling und stimmen einen traurig. Wie brutal der Pilz zuschlägt. Nie wieder werde ich Reibekäse unbefangen über Nudeln streuen…

    • Nur keine Scheu … man kann auch weiterhin seinen Käse reiben, jedenfalls, wenn sicher gestellt ist, dass er von der Kuh, oder einem ähnlichen Nutzviech ist. Den Bezeichnungen der Lebensmittelindustrie sollte man dabei nicht vertrauen.
      Nichts ist doch befriedigender, als sein Wissen zu teilen …
      Vielen Dank!

  • Kommt so possierlich daher, gerade zu unschuldig wirkend & hinterlässt eine Schneise der Zerstörung. Die Welt scheint manchmal hart & verdammt ungerecht. Zumindest wenn man sie aus der Baumperspektive betrachtet.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Firtsch.

    • Den Scheibenpilz darf man nicht unterschätzen, das ist sicher. Aber der Frühling steht vor der Tür, und damit neigt sich die Saison der Scheibenpilze dem Ende zu … dann beginnt die Saison des Freilandpilses.
      Vielen Dank, Florian, und liebe Grüße auch von uns!

  • Kafka Waits sagt:

    Mir ist der Scheibenpilz auch schon einige Male begegnet und ich habe mich in den letzten Wochen sehr intensiv damit beschäftigt. Umso mehr erfreut es mich, hier einen wissenschaftlich fundierten, sehr anspruchsvollen und zugleich gut lesbaren Artikel gefunden zu haben, der die Ursachen und Folgen der Ausbreitung des Scheibenpilzes sehr verständlich darstellt.

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