Sommerloch-Stories 2014, Teil8

11. August 2014 § 11 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Nordhessische Mundräuber verschleppen unsere störrische Sau.

Sommerloch-Stories 2014, Teil8

Nietzke in der Bredouille.

Die Wälder werden von einer tiefen Dunkelheit beherrscht, und an ihren dunkelsten Stellen, traf noch nie ein Sonnenstrahl den Erdboden, immer nur knapp daneben. Entsprechend zerknittert sind dort die Einheimischen. Der Volksmund würde dazu bemerken, dass sich dort Fuchs und Hase gute Nacht sagen, aber die beiden Tiersorten sind in dieser Gegend schon längst ausgerottet, weil sie seit Jahrhunderten die Menschen ernähren mussten. Nachdem die tiefen Wälder Nordhessens leergegessen waren und eine Hungersnot drohte, setzten wohlmeinende und vom Leben und der Natur im allgemeinen begünstigte Südhessen in den Wäldern des Nordens Waschbären aus. Um die gröbste Not zu lindern, und um zu verhindern, dass die Nordmänner in den Süden auswandern. Obwohl wir Nietzke eine eindringliche Reisewarnung zukommen ließen, führte ihn sein Weg direkt in die nordhessischen Wälder, in denen er sich prompt verstrickte. Es überraschte uns nicht wirklich, als wir erfuhren, dass er in der Nacht zum Sonntag überfallen wurde. Einige junge Bauerntölpel, die das örtliche Brauchtum pflegten, also Mundraub, Wegelagerei und Brandschatzung, fielen über das Schwein her und schrieen dabei: „Schweinebraten, endlich wieder Schweinebraten.“ Normalerweise lässt sich in Nordhessen kein Schwein blicken, insofern ist die Freude des räuberischen Packs über diesen Fang vielleicht sogar verständlich. Kurzum, die Sau wurde geklaut und Nietzke blieb bedröppelt und gefesselt zurück. Nietzke wäre nicht Nietzke, wenn er menschliche Fesseln akzeptieren würde. Mit Konzentration und großer Kraftaufwendung gelang es ihm, sich von den Fesseln zu befreien und sofort die Spur der entführten Sau aufzunehmen. Der Weg wies ihn direkt auf die einzig nennenswerte menschliche Ansiedlung in den Wäldern, einen kleinen Weiler mit dem Namen Kassel.

Wir bleiben dran!

dm

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§ 11 Antworten auf Sommerloch-Stories 2014, Teil8

  • mickzwo sagt:

    Au, au, au! Wenn das mal ein gutes Ende nimmt. Besonders die Nordhessen sind berüchtigt für ihren Fähigkeit quasi aus den Stand ein Schlachtfest zu organisieren. Im benachbarten Ostwestfalen ist es nicht besser!

    • Wir hoffen natürlich das Beste, lieber Mick! Allerdings hörte ich auch schon, dass die Ostwestfalen sehr schnell zur Wurst greifen. In Nordhessen dagegen ist es sehr viel schwieriger. Die Wälder sind weitgehend leergegessen, und es laufen nur wenige Würste herum.

    • richensa sagt:

      Obacht, hier liegen Ostwestfälinnen auf der Lauer, die sich um die Unversehrtheit Nietzkes sorgen, aber abfällige Reden über Ostwestfalen gar nicht goutieren! Tsssss….

      • mickzwo sagt:

        Erstens: das war nicht abfällig. Ich bin schonmal bei so einem ostwestfälischem Katzhoven in die Lehre gegangen, was zu Folge hatte, das ich mich heute unter anderem einer Freundschaft erfreue.
        Zwotens: Ich bin nur ein Zugereister, aber ich bin stolz darauf, hier zu leben. Ich darf das. 🙂

        Dieses Meinbrexen kenne ich auch ganz gut. Es liegt im Kreis Holzminden und ist somit nicht in NRW. Geschenkt. Immerhin hat es mal der Familie Münchhausen gehört. Die wiederum einen großartigen Geschichtenerzähler hervorgebracht hatte. Geschichten, wie man sie auf diesem Blog auch findet..

      • @richensa und @mick:
        Selbstverständlich würden wir uns nicht abfällig über die Ostwestfalen äußern, liebe Richensa, das ist klar. Obwohl deren Liebe zur guten Wurst ja hinlänglich bekannt ist. Das schadet aber bestenfalls den Cholesterinwerten und nicht der Freude am Genuss;)
        Ihr wisst es ja selbst, liebe Richensa, lieber Mick, dass fast alle unsere Beiträge und Kommentare mit einem dicken Augenzwinkern abgestempelt sind 🙂
        Herzlichen Dank, Euch beiden!

  • wildgans sagt:

    Sommerlochabsurditäten – ala bizarr!

  • emhaeu sagt:

    Vielleicht hilft diese Seite weiter – da sind im Nordhessischen einige einschlägige Orte verzeichnet: http://www.mundraub.org

  • Traf eigentlich jemals ein Sonnenstrahl nordhessischen Waldboden? Mir ist darüber nichts bekannt.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

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