Sommerloch-Stories 2014, Teil9

12. August 2014 § 13 Kommentare

Zeichnung nach Augenzeugenberichten: Dieter Motzel

Zeichnung nach Augenzeugenberichten: Dieter Motzel

Die erste Version des Bildes „Les Demoiselles d’Avignon“. Nach Protesten der französischen Regierung wurde das Bild von Picasso 1907 übermalt.

Sommerloch-Stories 2014, Teil9

Nietzke irrt. Abstecher in die Historie.

Nietzke irrt noch durch die nordhessischen Wälder. Immer der Sau auf den Fersen. Wir nutzen die Irrungen und Wirrungen von Nietzke, um einen kleinen Blick auf historische Zusammenhänge zu werfen, die ursächlich mit dem Sommerloch eng verbunden sind. In einem der bekanntesten Bilder der Kunstgeschichte, das gleichzeitig die abendländische Malerei revolutionierte, wurden 1907 erstmalig Sommerlöcher von dem jungen spanischen Maler Pablo Picasso, der in Paris arbeitete, thematisiert. Ganz nebenbei prägte er damit auch einen neuen Stilbegriff in der Malerei. Den Kubismus. In einer wenig bekannten ersten Version seines berühmten Gemäldes „Les Demoiselles d’Avignon“ zeigte er erstmalig die fraktalen Verwerfungen, die sich bei der Entstehung von Sommerlöchern an deren Rändern herausbilden. Der junge Maler bringt in diesem Bild die destruktive Kraft des Sommerlochs, das fünf junge Frauen in einem Bordell in Barcelona bedroht, mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Der damalige französische Innenminister verbot die öffentliche Ausstellung des Meisterwerks, um keine Unruhe in der Bevölkerung auszulösen. Die Sommerloch-Problematik war zwar innerhalb der Regierung bekannt, damals aber noch weitgehend unerforscht und vor allem in weiten Teilen der Bevölkerung gänzlich unbekannt. Und dies sollte, nach dem Willen der Regierung, auch so bleiben.

Man mag es als ein kleines ironisches Augenzwinkern der Geschichte verstehen, dass die Sommerlöcher sich im tiefsten Winter in das Bewusstsein der Pariser Bürgerschaft drängten. Und zwar mit aller Macht und unübersehbar. Fast jeder von uns wird sich noch an die große Überschwemmungskatastrophe erinnern, die Paris im Januar 1910 heimsuchte. Die Seine trat über ihre Ufer, und viele Bezirke der Stadt wurden überschwemmt und standen wochenlang unter Wasser. Die Wassermassen spülten ein gigantisches Sommerloch-Nest, das sich in den Tunnels der Metro gebildet hatte, an die Oberfläche. Tagelang trieben unzählige, noch nicht ausgereifte Sommerlöcher auf den Wasserflächen der Stadt, bis ein fallender Wasserstand sie endgültig die Seine hinunter spülte. Die Sommerlöcher konnten nun nicht mehr von der Regierung geheim gehalten werden, aber die weitaus größere Katastrophe, dass sich vollausgebildete Sommerlöcher in den folgenden Monaten über die Stadt hermachen konnten, blieb aus.

Pech indes für den jungen Maler Picasso, der das erste authentische Sommerloch-Bild bereits übermalt hatte. Er kam aber dennoch zu Ruhm und Ehre. Die übermalte Version des Bildes kann man heute im Museum of Modern Art in New York begucken. Wer es schafft, ganz dicht an das Bild heranzugehen, ohne vorher erschossen zu werden, kann noch die übermalten Stellen des Bildes erkennen. Wie auch immer, wir bleiben dran!

dm

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