Sommerloch-Stories 2014, Teil20

30. August 2014 § 10 Kommentare

Viel los, rund um Kassel. Nietzke reist ab. Zeichnung: Dieter Motzel

Viel los, rund um Kassel. Nietzke reist ab. Zeichnung: Dieter Motzel

Sommerloch-Stories 2014, Teil20

Nietzke reist ab.

Dieser Tage entnahm ich der regionalen Presse, dass ganz in unserer Nähe, in Gernsheim im südhessischen Ried, ein Römerkastell entdeckt wurde. Nun geht man mit Schaufeln zu Werke und durchsiebt den Sand nach Artefakten. Das ist interessant. Allerdings stellt sich natürlich auch die Frage: Warum erst jetzt? Die Römerzeit liegt ja nun doch schon ein paar Jahre zurück. Wäre es da nicht einfacher und vor allem sinnvoller gewesen, dieses Kastell früher zu finden? Es sind viele Fragen, die sich aufdrängen und beantwortet werden müssten. Leider bleibt uns keine Zeit mehr, um uns diesen dringlichen Problemen zu widmen, denn die diesjährigen Sommerloch-Stories gehen zu Ende. Der Herbst hat sich früher breit gemacht, als dies zu erwarten gewesen wäre. Mit der verdoppelten Sau hat Nietzke die undurchdringlichen Wälder Nordhessens verlassen und befindet sich an Bord eines Pferdefuhrwerks, das ihn in Richtung des lichtdurchfluteten Südens transportiert. Schon bald wird er den Main überqueren. Die natürliche Grenze, die in Hessen den zivilisierten Süden vor dem barbarischen Norden schützt. Zum 1. September, dem meteorologischen Herbstanfang, erwarten wir Nietzke in Darmstadt, der hessischen Landeshauptstadt, zurück. Wir planen keine Feier!

Nachtrag:

Es hätte jeden treffen können, auch uns, und es ist wirklich dem Zufall geschuldet, dass wir die Nordhessen in diesem trüben Dämmerlicht erscheinen ließen. Das lag a) an den allgemeinen Reiseumständen, b) an der mangelnden Bewegung von Nietzke, der sich relativ früh in den dortigen Wäldern verhedderte und nicht mehr von der Stelle kam. Als Punkt c) wäre noch anzuführen, dass uns auch der Umstand zu Gute kam, dass das Netz, in dem wir uns hier alle bewegen, in Nordhessen so gut wie nicht vorhanden ist. Wir konnten also sicher sein, auf wenig Widerspruch oder gar Empörung zu stoßen. Aber wir lassen auch kritische Stimmen zu Wort kommen, (selbstverständlich erst, nachdem wir sie zensiert haben). Der nordlichtige Literat Arno Schmidt, von 1955 bis 1958 in der südhessischen Metropole Darmstadt wohnhaft, bevor er sich später in Träumen verzettelte, schrieb in einem Brief an Helmut Heißenbüttel: „Lieber tot in der Heide als lebendig in Darmstadt“.

Das lassen wir einfach mal so stehen.

Vielleicht hat der ein oder andere noch ein paar Sommerlöcher zu stopfen. Hier unser Tipp: Einer der Hauptverantwortlichen für den Umzug von Arno Schmidt nach Darmstadt war der Maler und Ausnahmegrafiker Eberhard Schlotter. Außerdem trägt er die alleinige Verantwortung für die schönsten Bilder zu Arno Schmidts Werk. Wer suchet der findet!

dm

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§ 10 Antworten auf Sommerloch-Stories 2014, Teil20

  • Ohja, da meinte auch letztens einer dieser Kritiker, na, die Darmstädter bilden sich ja so was von ein!! Das mit Arno wußte ich aber noch nicht. So gesehen, viel Kunst, und was bringt´s??

    Ich denk, hätte man das Römerkastell auch früher gefunden, wäre vllt. nicht mehr viel davon übrig. hm

    Auf alle Fälle schönes Wochenende, Claus ^^

    • Was viel Kunst ihm bringt, muss natürlich immer der Einzelne für sich entscheiden. Mir verschafft es, nach dem Lesen Deines Kommentars, immerhin die Erkenntnis, dass auch ein Kritiker mal recht haben kann 🙂
      Dir auch eine gute Zeit, Claus, verbunden mit einem lieben Gruß aus der Landeshauptstadt!

  • emhaeu sagt:

    Habe gesucht, aber wenig gefunden. Da muss man wohl schnell nach Celle fahren (http://eberhard-schlotter-stiftung.celle.de/Ausstellungen)

  • Pagophila sagt:

    …und wieder bedaure ich das Ende der Sommerlochgeschichten. Säue lassen sich verdoppeln, der Sommer leider nicht. Schön war’s…

    • Leider ist der Sommer immer begrenzt, und ich muss gestehen, dass ich ihm in diesem Jahr gerne eine Verlängerung gönnen würde. Aber der Herbst hat ja auch seine guten Seiten;)
      Vielen Dank, liebe Pagophila!

  • Hauptsache Nietzke hat Nordhessen überlebt & trägt keinerlei Langschäden davon. Dann kann der Herbst auch kommen.

    Viele Grüße in die Landeshauptstadt & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

  • ein angemessener Schluss! ZU Darmstadt: Nomen est womöglich Omen, zumindest würde meine Frau, die dort unfreiwillig ein Jahr gelebt hat, würde sofort unterschrieben. Ich kenne dort bloss eine tranige Fussgängerzone…
    Aber Schlottre war bestimmt einen Umzug wert. Habe gerade das Tina-Bändchen aus der Insel-Bücherei genossen. Mit 24 Radierungen von Eberhard Schlottre. Grandios, selbst in diesem Kleinformat.
    Liebe Grüsse
    Kai

    • Ja, lieber Kai, die Unfreiwilligkeit eines Aufenthalts in einer Landeshauptstadt von Format lässt natürlich schwer eine objektive Betrachtung zu. Zustimmen würde ich, was die „tranige“ Fußgängerzone angeht, denn auch ich habe sie vor vielen Jahren einmal besucht und bin dabei zu ganz ähnlichen Ergebnissen gekommen:)
      Mit dem Insel-Büchlein hast Du einen feinen Schatz in Deiner Bibliothek. Die Radierungen habe ich leider auch nur als Abbildung im Kleinformat, hatte aber das Glück, die Originaldrucke einmal betrachten zu dürfen. „Tina oder über die Unsterblichkeit“ wurde übrigens nicht unweit von der besagten Fußgängerzone geschrieben. Und zwar in der Inselstraße, das passt doch wieder;)
      Liebe Grüße auch von uns!

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