Mein Beitrag zur Rettung der Welt

19. Juni 2015 § 24 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Mein Beitrag zur Rettung der Welt

Ab und an bekomme ich Ärger mit meinem Gewissen, es packt mich an den Ohren und schüttelt mich kräftig durch. Da es ja mein Gewissen ist, bin ich mir sicher, dass es das Ganze nicht so ernst meint, aber manchmal werde ich dadurch auch wachgerüttelt und fühle mich ganz besonders motiviert. In den allermeisten Fällen geht es mir darum, endlich einen sinnvollen Beitrag zu leisten, um die Welt ein Stückchen lebenswerter zu machen. Als Person, der das Prokrastinieren leicht von der Hand geht, tue ich mich damit ein wenig schwer, und naturgemäß denke ich mir dann: “Ok, das reicht morgen auch noch, oder übermorgen“. Mit dieser Denkweise ist die Welt natürlich nicht zu retten, und mir ist auch klar, dass in Zukunft von mir kein nachhaltiges Konzept zu erwarten ist. Tröstlich ist für mich der Gedanke, dass es dennoch erstaunliche viele Grübler und Querdenker in Deutschland gibt, die mit ihren Ideen die Welt ein Stück weit vom Abgrund wegrollen. In den heimischen Bastelstuben wird Abend für Abend hart gearbeitet. Im „Land-der-Erfinder.de“ geben sie Einblicke in diese Arbeit, wohlwissend, dass die Rettung der Welt vor der eigenen Haustür beginnt und nicht an deren anderem Ende. Apropos Haustür, wessen Hand ist noch nicht vor der Türklinke zurückgeschreckt bei dem Gedanken an abertausende Bakterien, Viren und Pilzen, die es sich dort bequem gemacht haben? Während ich, wie viele andere, minutenlang vor der Tür verharre, bevor wir uns überwinden und beherzt zur Klinke greifen, hat ein findiger Kopf schon eine Lösung parat, deren Name alleine schon revolutionär ist: „Tragbarer hygienischer hygiene Türöffner“ (Zitat). Nachdem wir nun die folgenschwere Kontamination mit unbekannten Bakterienstämmen verhindern konnten, sollte uns nichts mehr daran hindern, durch die Tür ins wahre Leben einzutreten. Natürlich mit der richtigen Kleidung. Dem Mann sei der „unsichtbare Hosenhalter für mehr Tragekomfort“ (Zitat) empfohlen, und vielleicht der „Schnapsbinder“: „Eine Krawatte mit der Funktion einer Getränkehalterung. Ermöglicht es einem, ein gepflegtes Aussehen auszustrahlen und zugleich Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen“ (Zitat). Wir Männer klatschen zu diesem Zeitpunkt schon vor Freude in die Hände. Für Frauen mag es ungleich schwerer sein, eine solch große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber auch hier wird an Lösungen gearbeitet, die Frauen einfach gut aussehen lassen. Jedenfalls Frauen, die mit Schweißflecken unter den Armen zu kämpfen haben. Ein “BH – mit eingearbeiteten Ärmeln“ (Zitat) verspricht hier Schutz gegen hässliche Schweißränder. Nachdem nun alle eine gute Figur abgeben, ist es an der Zeit sich um den „Holzkohlegrill mit elektrischer Zündung und Drehzahl geregeltem Lüfter“ (Zitat) zu versammeln, oder wahlweise am „Tisch mit eingelassener Alu-Felge“ (Zitat). Jetzt darf man sich gerne dem Spaß überlassen. Ein schönes Spiel lädt dazu ein: “Getränke öffenen mittels Zunge! Getränke mit der Zunge öffnen! Ein Partyspiel das schmeckt und Spaß macht und auch als Wettbewerb verstanden werden kann. Den Lustfaktor – das Statement Zunge freizügig zu präsentieren, trifft absolut den Puls der Zeit!“ (Zitat). Wer das jetzt nicht verstanden hat, macht nichts, es wird sicher schon irgendwo an einer Lösung gearbeitet. Derart angestoßen, habe ich mir doch noch etwas ausgedacht, um meinen Beitrag zur Rettung der Welt leisten zu können. Ich denke, eine Halterung für wütende Männer könnte das Leben nachhaltig verbessern.

dm

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§ 24 Antworten auf Mein Beitrag zur Rettung der Welt

  • Und erfindest du auch das Zungenhaltgerät für die Frau? das wäre fantastisch… denn manchmal redet sie zu erst, und denkt erst danach. So ein Gerät wäre wunderbar. Bitte bitte bitte 😀

  • Ich bewege mich jetzt auf sehr dünnem Eis. Meine Co-Autorin wacht mit Argusaugen über dem, was ich zu antworten gedenke. Ich sach ma so: Immerhin scheint doch nach dem Reden nachgedacht zu werden, bei Männern ist das nicht immer der Fall. Also, schlimmer geht immer. Ich hatte schon bei meiner Halterung für wütende Männer einige Konstruktionsprobleme zu bewältigen. Die Konstruktion erwies sich bei wütenden Frauen als gänzlich untauglich. Hier hätte ich zur Stabilität noch erhebliche Verstärkungen vornehmen müssen:)

  • Sofasophia sagt:

    Ich dachte erst, diese Seite sei eine Art Ironie-Fake, aber ich glaube, die meinen das ähm ernst?!
    So ernst vielleicht, wie du die Wütende-Männer-Halterung?

    Manchmal müsste es ein paar Erfindungen geben, die den Menschen aus seiner Sturheit und Lethargie herausholen würde und das Wieder-Selbst-Denken fördern.

    Danke für deinen wie immer sehr feinhumorigen Beitrag, Dieter.

    • Erfinder nehmen ihre Entwicklungen vermutlich sehr ernst, diese Ernsthaftigkeit würde ich auch niemanden absprechen wollen, nur weil ich einiges für sehr skurril halte. In diesem Fall sind es ja meist die sprachlichen Stilblüten, mit denen die Enkel von Daniel Düsentrieb ihre „Erfindungen“ beschreiben, an denen ich mich gut reiben kann. Auf der anderen Seite sind viele Unternehmen froh, wenn ihre Mitarbeiter in diesem Bereich tätig werden. Es sind nicht wenige, mehr oder minder kleine Erfindungen, die in den Firmen Arbeitsprozesse und Arbeitsabläufe optimieren, oder auch nur das Betriebsklima verbessern. Insofern denke ich, dass das Wieder-Selbst-Denken nie aus der Mode war, man muss nur aushalten, dass die Denkergebnisse anderer nicht unbedingt mit den eigenen Übereinstimmen.
      Vielen Dank, Soso, und liebe Grüße von uns!

  • Eine wichtige Erweiterung deiner Halterung: Schutz für den Mann. Die Wand dahinter scheint mir allzu nah, denn wohin mit der Wut, wenn sie nicht an anderen ausgetobt werden kann? „Gegen die Wand!“ heißt es da doch meist.

    • Aus der gezeigten Perspektive wird leider nicht deutlich, dass die Konstruktion über ein stabiles Holzbrett in Kopfhöhe verfügt, das bei Bedarf die überschüssige Kopfenergie aufnehmen kann und diese in eine Batterie leitet, die dann beispielsweise zum Betrieb einer Waschmaschine genutzt werden kann.

  • Sorry, ich hab jetzt zwar noch nicht den ganzen Beitrag gelesen, aber so eine Halterung für wütende Männer ist auf alle Fälle eine toller Einfall.

    Joa, ist oke. Dann mal schönes Wochenende. ^^

    • So toll ist der Einfall natürlich auch nicht. Die Männer sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Meist genügt es schon, sie mit einem Kleiderbügel zum Abkühlen auf den Balkon zu hängen.
      Ojeh, Wochenende schon vorbei, wünsche also ein schönes gehabt zu haben! Danke Dir!

      • Ja, doch, zumal gestern stellenweise auch noch die Sonne durchschien. Heute war es hier dann eher verregnet. Immerhin hab ich aber eben auch alles gelesen. Und siehe, das „Land-der-Erfinder.de“ gibt es ja wirklich. Ich nahm schon an, das wäre eine Erfindung von Dir. ^^

        Leider befürchte ich, dass die Welt heute nicht mehr zu retten ist. Oke, vllt. morgen. Bitte, gerne!!

  • Ulli sagt:

    wunderbare Verwurstung tollkühner Zitate aus dem wahren Leben, danke Dieter für den abendlichen Schwank 🙂 was brauche ich da noch einen Fernseher?

  • rotewelt sagt:

    Was es alles gibt, zum Schreien! Danke fürs Aufführen der skurrilen Erfindungen, dm! Deine ist natürlich am besten! 😉 Aber es ist eher eine gezügelte Variante, immerhin hängt der Mann ja noch an Schüren, die ihn irgendwann ausbremsen… 😉

    • Meine Variante ist einfach noch nicht ausgereift, rotewelt, wenn ich gewusst hätte, dass damit so viel Arbeit verbunden ist, hätte ich sicherlich darauf verzichtet, die Welt ein Stück besser zu machen.
      Vielen Dank!

  • richensa sagt:

    Auch als Halterung für Wutbürger verfügbar?`;-)

  • sehraeuber sagt:

    Dass die meisten Kommentare von Frauen geschrieben wurden, stimmt mich ein wenig nachdenklich, vielleicht brauche ich doch so eine Halterung 🙂

  • oachkatz sagt:

    Großartig. Ich nehme zwei davon.

  • Selten so gelacht, es gibt einfach grossartige Erfindungen. Aber die Beste ist natürlich Deine Halterung für wütende Männer. Da hast Du sicher lange und intensiv dran gearbeitet.
    Liebe Grüße
    Kai

    • Natürlich, lieber Kai, Erfindungen machen enorm viel Arbeit, aber letztlich zahlt sich die Arbeit aus, wenn es gelingt, Millionen Menschen das Leben lebenswerter zu gestalten;)
      Vielen Dank und liebe Grüße auch von uns!

  • […] ich diese geniale Erfindung entdeckte, war es um mich geschehen! Seither freue ich mich über jedes weitere […]

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