Familienalbum, Teil II

4. Juli 2015 § 16 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Familienalbum, Teil II

Beim Durchblättern meines Familienalbums, eigentlich eines jeden Familienalbums, komme ich unwillkürlich an einen Punkt, ab dem die abgebildeten Personen, nicht mehr zweifelsfrei identifiziert werden können. Natürlich in erster Linie deshalb, weil ich selbst nicht dabei war, die Aufnahme also aus einer Zeit stammt, die weit zurückliegt, und die Wenigen, die noch zu befragen wären, haben oft genug schon Schwierigkeiten damit, sich an den gestrigen Tag zu erinnern. Manchmal ist es natürlich auch die Ignoranz meinerseits, die schlicht zu Verleugnungen führt: „Nä, das bin ich nicht, nie und nimmer“. Zu unserem heutigen Bild gibt es nun auch unterschiedliche Meinungen, wer denn da genau zu sehen ist. Meiner Meinung nach handelt es sich um Onkel Herbert, es könnte aber unter Umständen auch sein Freund Rolf zu sehen sein. Der zwar nicht mein Onkel war, aber als Freund der Familie Zugang zu unserem Kühlschrank hatte. Die Wahl des Bildes ist dem Zufall geschuldet. Die Hitze hat uns ja noch fest in ihrem klebrigen Griff. Als ich vor meinem Bilderberg saß und den Arm anhob, klebte dort ein halbes Dutzend Familienfotos fest. Nach dem vorsichtigen Abziehen von meinem Unterarm betrachtete ich sie mir näher. Eines lenkte meine Gedanken in Richtung kühlendes Nass, und das war sehr willkommen. Es zeigt, ich bleibe dabei, Onkel Herbert, der voller Stolz sein kürzlich erworbenes Schwimmabzeichen im örtlichen Freibad präsentiert. Die ebenfalls immer anwesende Damenwelt soll ihn an diesem Tag im Juli 1963 ganz besonders angehimmelt haben.

dm

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§ 16 Antworten auf Familienalbum, Teil II

  • Das „Seepferdchen“ wollte ich auch immer an der Badepümpfe, aber leider war ich, als ich endlich schwimmen konnte (mit 18) schon zu alt dafür. Es reichte nur mehr für den Rettungsring.
    Chapeau vor dem Kühlschrankonkel, die Damenwelt wird ihm ihre Windeln zu Füssen geworfen haben!

    • So ein feines Abzeichen an der Hose macht schon was her, jedenfalls mehr, als ein Rettungsring um die Hüfte. Allerdings würde ich bei einer Rettungsaktion eher dem Ring vertrauen, als dem Abzeichen an einer fremden Hose;)
      Vielen Dank!

  • Arabella sagt:

    Ich bin leider erst seit 1964 hier überhaupt dabei.😁

  • Sofasophia sagt:

    Ich schmachte mit. Klasse Bildgeschichte!

  • Mir hat echt mal ein Karstadt-Mitarbeiter bei der Auflösung der Multi-Media Abteilung gesagt: Die Welt ist im Wandel und Dinge kommen und gehen!!

    Oke, Schwund ist immer. Cooles Smiley

  • wederwill sagt:

    mir kleben leider nur Krümel vom Abendbrot am Unterarm und keine Erinnerungsfotos… und meine Töchter haben das Seepferdchen einen Hauch eher ablegen können – ich sage nur Akzeleration…
    LG, M.

    • Alles braucht seine Zeit, Marlis, manchmal ist Beschleunigung nicht die Lösung. Vielleicht sollte man grundsätzlich die Wassertiefe in Gewässern auf einen Meter begrenzen, dann könnte man sich Abzeichen ersparen, und man hat trotzdem noch genügend Wasserstand, um sich die Krümel vom klebrigen Arm zu spülen:)
      Liebe Grüße auch von uns!

  • Getroffen und versenkt! Oh wei, dieses Bild verweist auf tiefe Wunden in meine Kinderseele: Meine 2 Jahre jüngere Schwester hatte neben Seepferdchen schon längst diverse andere Tiere am Badeanzug (Delfin, Hai, Frei, Fahrten, was es so gab), da hab ich mich immer noch nicht ins verpinkelte Schwimmbeckenwasser getraut… und ja, bis heute habe ich weder See- noch andere Pferdchen an meiner Badehose, dafür geniesse ich aber inzwischen unsere luxuriöse Regenschauerdusche, bei der ICH bestimme, wie stark, wie warm, wie kalt mich das Wasser trifft – und zwar sauberes, nichtvollgepinkeltes Wasser, ohne Kinder- und Erwachsenenfürze und massig Chlor.
    Im übrigen hat Rolf oder Onkel genau den überhebliche Blick, den ich noch genau vor mir sehe bei den anderen Schwimmkindern, also denen, die hemmungslos in die verquirlte Brühe tunkten.
    Fluss und Meer sind übrigens ein ganz anderer Schnack, aber was interessieren da Seeschweinchen, da gehts um den Hai…
    Liebe Grüsse
    Kai

    • Ich muss gestehen, lieber Kai, dass ich zu Wasser auch ein eher ambivalentes Verhältnis aufrecht erhalte. Eine Regenschauerdusche käme mir gerade recht. Wenn ich dagegen sehe, wie viele Leute in so ein kleines Wasserbecken oder in einen Badesee reinpassen, wenn auch nur mit Stehplatz, dann bevorzuge ich lieber eine eigene Badewanne.
      Vielen Dank, für Deinen ausführlichen Kommentar, und liebe Grüßte auch von uns!

  • Nun ist es ja bekanntlich so, dass langjährige Freunde der Familie häufig immer mehr zu Familienmitgliedern werden. Das ist im Prinzip auch gut, denn es wahrt eine gesunde Mischung des Genpools.

    Viele Grüße & weiterhin sichere Straßen, Fritsch.

    • Im Falle von Rolf hat es nicht den Genpool positiv verändert, sondern nur das Nahrungsangebot verschlechtert. Aber vom Prinzip hast Du natürlich recht;)
      Viele Grüße auch von uns!

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