Nachtrag: Fliegenschiss

18. Mai 2017 § 24 Kommentare

Biomasse, Mischtechnik auf Karton, Dieter Motzel

Nachtrag: Fiegenschiss

Die alte Robinie, die im Hinterhof in eine beachtlichen Höhe gewachsen ist, hat sich frischgrün belaubt. Das gelingt ihr immer erst spät im Frühling. Ihre weißen Blütentrauben zeigen sich schon und werden im Laufe der nächsten Tage noch an Volumen zulegen. Schließlich muss der Baum noch zeigen, weshalb er gelegentlich auch Silberregen genannt wird. Die Blüten bieten reichlich Nektar. Sicherlich ein Festmahl für viele Insekten, und – wenn man die Nahrungskette im Blick hat – für die Vögel. Das biologische Gleichgewicht, das bei der Robinie im Hinterhof noch einigermaßen funktionieren mag, ist im Großen schon längst außer Kontrolle geraten. Der Bestand an Fluginsekten, die für die Bestäubung von Blumen und Bäumen zuständig sind, ist in den letzten 15 Jahren mancherorts um bis zu 80% zurückgegangen. Der Schwund an geeignetem Lebensraum, der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft – es sind viele Ursachen, die verantwortlich für den dramatischen Rückgang vieler Arten sind. Reduzieren kann man das alles auf einen Bug im Algorithmus der Evolution, den man Mensch nennt. Von einem Grobmotoriker, der nur aus zwei Körperbauteilen besteht, einem kleinen Kopf und einem großen Unterleib, der den Kopf so gut es geht steuert, kann man vielleicht nichts anderes erwarten. Ein gewisser Trost besteht in dem Gedanken, dass alles nur Biomasse ist. Die verschwindet nicht, sie transformiert nur.

Fast immer, wenn mir das Wort „Biomasse“ in den Sinn kommt, sitze ich auf dem Klo oder mir fällt zufällig eine wunderbare Geschichte von Benjamin Maak ein. Sie trägt den bezeichnenden Titel: „Wie man einen Käfer richtig fängt“. Sympathie und Ekel spielen hier gleichermaßen eine Hauptrolle, und der Leser kann sich nicht entziehen, weder dem einen, noch dem anderen. Der Autor hat das ganz gut hinbekommen, immerhin bekam er 2013 beim Bachmann-Preis in Klagenfurt eine Auszeichnung dafür. Mit einigen Worten der damaligen Juroren auszudrückt, lässt sich die schräge Geschichte etwa so zusammenfassen: Von der Kindheit des Dr. Mabuse zur Idylle. Lesenswert allemal.

Meine Fliegenzucht. Zeichnung: Dieter Motzel

Die Evolution schläft nicht. Vor einigen Jahren gelang mir durch Zufall der Nachweis eines bis dato unbekannten Fluginsektes: Der Nasenflügler.

Der gemeine Nasenflügler. Zeichnung: Dieter Motzel

Nach monatelanger Forschungsarbeit, begleitet von vielen Rückschlägen, gelang mir sogar die Nachzucht des gemeinen Nasenflüglers, und ich kann nun in meinen Räumen einen stabilen Bestand vermelden. Als Krönung meiner entbehrungsreichen Forschung war es mir auch möglich, einige Unterarten zu bestimmen.

Sibirischer Prachtnasenflügler. Zeichnung: Dieter Motzel

Australischer Prachtnasenflügler. Zeichnung: Dieter Motzel

Wenn jeder von uns etwas zum Artenschwund beiträgt, ist es auch möglich, dass jeder etwas dagegen tun kann.

dm

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