Kahlschlag

10. August 2017 § 15 Kommentare

„Goethe“, Zeichnung, Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Kahlschlag

Den Ratschlag von Goethe beherzigend, schließlich will ich, wenn ich groß bin, ein Künstler werden, wage ich mich ab und an durchaus in Gegenden, die man gemeinhin als Natur bezeichnet. Wetter jedweder Art muss man dabei in Kauf nehmen, auch wenn es für Haustiere wie mich dabei schon mal unangenehm wird. Kurzum, im Februar gab es so einen Tag an dem ich draußen unterwegs war. Der Weg führte mich an dem radikalen Schnitt einer Weide vorbei. Es stimmt immer ein wenig melancholisch, wenn ein Baum sein verbliebenes Gerippe gegen den Himmel reckt.

Foto: Dieter Motzel. Februar 2017

Es brauchte einige Tage, bis sich wieder der Wind in den Blättern der Weide verfangen konnte. (Weiden verknüpfe ich immer mit Wind, dank dem Kinderbuch-Klassiker von Kenneth Grahame). Spontan und völlig überraschend entschloss ich mich im Juli nochmal nach draußen zu gehen. Es war schon erstaunlich zu sehen, über welche Wachstumskraft die Weide verfügt. Obwohl es nicht meinen sonstigen Gewohnheiten entsprach, blieb ich noch einige Tagen draußen, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie wegfliegt.

Foto: Dieter Motzel. Juli 2017

Zeichnung: Dieter Motzel

Ein anderer Kahlschlag gab mir mehr zu denken. Und der ging völlig den Bach runter. Ich stibitzte einem Kerl die Perücke, der ohne dieses Attribut kaum noch zu erkennen war. Ich tat das nicht aus purer Boshaftigkeit. Ich brauchte einfach eine Garage für meinen Hund.

dm

„Bach ohne Perücke“. Zeichnung: Dieter Motzel

„Perücke ohne Bach“. Zeichnung: Dieter Motzel

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§ 15 Antworten auf Kahlschlag

  • soloezist sagt:

    Sehr schöner Disput und auch der restliche Kahlschlag, alles andere als unschön!
    soloEzistische Grüße

  • emhaeu sagt:

    Vielleicht ist das der Grund, weshalb Goethe bei seiner Italienreise ohne seine Perücke aufgebrochen ist. Offiziell heißt es, er habe seine Perücke in Weimar vergessen. Vergessen! Das glaubt doch keiner ….

    • Ich könnte schwören, dass ich 1786 nicht in Weimar gewesen bin. Was sehr schade ist, dort hätte ich den Grundstock für eine wunderbare Perücken-Sammlung legen können;)
      Übrigens ist es natürlich nicht Goethe, dem ich hier den Skalp geklaut habe;)
      Vielen Dank, Martin!

      • mickzwo sagt:

        Ich finde es über die Maßen gut, dass das nochmal klargestellt worden ist.

      • Wir sind da einer Meinung, lieber mick. Das Jahr 1786 verbrachte ich fast komplett in Göttingen, wo ich fest an der Seite von Gottfried August Bürger meine Lebenserinnerungen verfasste;)

      • mickzwo sagt:

        Gut! Das finde nicht nur löblich, nein ich finde es über die Maßen löblich. Und würdest Du uns, Deinen Lesern diese Lebenserinnerungen auch noch zugänglich machen, so wäre dies gewisslich auch im Sinne Gottfried August Bürgers – wenn er noch lebt, er sei auch von dieser Stelle aufs herzlichste Gegrüsst. Seine Kinder und sonstigen Anverwandten natürlich auch.

      • Ich fürchte fast, lieber mick, sie sind immer noch zugänglich. Ach, Jugendsünden eben. Damals veröffentlicht unter dem Pseudonym Münchhausen;)

      • mickzwo sagt:

        Das, mein Lieber, stellt mich gar vor ein erschröckliches Problem. Hatte ich doch nie und auch nimmer die Möglichkeit eines Pseudonymes ins Kalkül gezogen. So würde ich doch fast von meinem Ansinnen absehen. Obzwar (!) die Lektüre des hochwohlgeborenen Barones von Münchhausen steht ja jedermann zu jederzeit frei. Ja, sie gehört eigentlich zum Volksgut 🙂 Wohlan, frisch, fromm und auch frei sei dies noch mindestens einmal rezipert. Danke und ein hoch auf die Einfallsgabe des teutschen Adels 😉 auch und gerade wenn sie auf Jugendsünden basiert.

  • Arabella sagt:

    Ich schätze deine Ein- und Aussichten. Sehr.

  • gkazakou sagt:

    Chapeau! oder meinetwegen auch Perücke! deiner Kunst.

  • kaschpar sagt:

    was für 1 toller baum – der steckt voller bilder … (werthe_r gedankenblase gefällt mir besonders 🙂

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