Die Felder leeren sich

21. September 2017 § 6 Kommentare

„Weg“, Farbstiftzeichnung, 36,5 x 51 cm, Dieter Motzel

„Ried“, Farbstiftzeichnung, 36,5 x 51 cm, Dieter Motzel

„Kürbisfeld“, Farbstiftzeichnung, 36,5 x 51 cm, Dieter Motzel

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Der Herbst läuft sich warm

19. September 2017 § 15 Kommentare

„Rheinufer“, Farbstiftzeichnung, 36,5 x 51 cm, Dieter Motzel

„Regentag am Rhein“, Farbstiftzeichnung, 36,5 x 51 cm, Dieter Motzel

Die kunstsinnige Fliege

6. September 2017 § 17 Kommentare

Randgebiet. Foto: Dieter Motzel

Die kunstsinnige Fliege

Über meinem Kopf hängt ein Ölbild. Wenn ich von unten schaue, sehe ich die Farbreste auf der einfachen Holzleiste, die das Bild umschließt. Es stand schon mit der Leiste auf der Staffelei im Atelier des Künstlers. An den Außenrändern des Bildes lugt noch die blanke Leinwand hervor, der Pinsel getraute sich nicht bis an die Leisten heran. Das Motiv zeigt im expressionistischen Duktus eine Landschaft am Meer. Grau, Blau, Indigo sind die vorherrschenden Farben, manchmal ein aufhellendes Weiß. Es gefällt mir nicht besonders, aber es ist nicht unprofessionell gemalt. 69 steht als Jahreszahl neben der Signatur. Es ist das beste Bild hier im gemieteten Haus. Mehr als ein Dutzend weitere Ölbilder hängen in den Räumen, und sie machen mich zunehmend unruhig. Wenn ich morgens im Bett aufwache, würde ich gerne das Bild sehen, das über meinem Kopf hängt. Weil mir dazu die anatomischen Möglichkeiten (Teleskophals o. ä.) fehlen, muss ich mich mit den Farbresten auf der unteren Leiste zufrieden geben. Ungute Gedanken erwarten mich am Fußende des Bettes, denn dort hängt mit Abstand das schlechteste Bild in der Wohnung. In mir verfestigt sich der übergriffige, aber sehr dringende Wunsch, es einfach zu übermalen. Blöderweise habe ich keine Ölfarben dabei. Vielleicht ist das auch gut so, denn ich kann mir gut vorstellen, es aus einem Impuls heraus tatsächlich zu tun. Und einmal angefangen, bin ich sehr schwer zu stoppen. Auch nicht von 18 Ölbildern unterschiedlicher Größe. Mangels Material bleibt es bei dem Gedanken, den ich allerdings ausführlich in Einzelheiten und in Farbe genieße. Mittlerweile kenne ich das Bild schon sehr genau. Nun ist auf dem Bild ein schwarzer Punkt aufgetaucht, wo eigentlich kein schwarzer Punkt hingehört. Ich weiß das, weil ich das Bild gefühlt schon vielfach übermalt habe (ein schrecklicher Albtraum wäre, es selbst gemalt zu haben). Obwohl er nicht dort sein dürfte, blieb er einfach. Bei einer näheren Betrachtung stellte sich heraus, dass der schwarze Punkt eine alte Bekannte war. Die kunstsinnige Hausfliege. Sie ist die einzige Fliege im Haus. Ich nehme an, sie fiel bei der Bildbetrachtung in eine Art Schockstarre. Gestern begutachtete sie ausgiebig die frische Tuschezeichnung in meinem Skizzenbuch. Das Interesse war jedenfalls vorhanden, sie rannte von einem Ende zum anderen und schaute sich dabei einige Details besonders genau an. Zum Abschluss nahm sie noch einen kräftigen Schluck aus einer noch feuchten Lache. Ich tat das auch, allerdings griff ich dabei zum falschen Glas. So war auch mir ein kräftiger Schluck von meiner Tuschezeichnung gegönnt.

dm

Die kunstsinnige Fliege. Alle Fotos: Dieter Motzel

 

Wo bin ich?

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