Stilleben

19. August 2017 § 11 Kommentare

„Stilleben“, Mischtechnik auf Illustrationskarton, Dieter Motzel

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Kahlschlag

10. August 2017 § 15 Kommentare

„Goethe“, Zeichnung, Dieter Motzel

Zeichnung: Dieter Motzel

Kahlschlag

Den Ratschlag von Goethe beherzigend, schließlich will ich, wenn ich groß bin, ein Künstler werden, wage ich mich ab und an durchaus in Gegenden, die man gemeinhin als Natur bezeichnet. Wetter jedweder Art muss man dabei in Kauf nehmen, auch wenn es für Haustiere wie mich dabei schon mal unangenehm wird. Kurzum, im Februar gab es so einen Tag an dem ich draußen unterwegs war. Der Weg führte mich an dem radikalen Schnitt einer Weide vorbei. Es stimmt immer ein wenig melancholisch, wenn ein Baum sein verbliebenes Gerippe gegen den Himmel reckt.

Foto: Dieter Motzel. Februar 2017

Es brauchte einige Tage, bis sich wieder der Wind in den Blättern der Weide verfangen konnte. (Weiden verknüpfe ich immer mit Wind, dank dem Kinderbuch-Klassiker von Kenneth Grahame). Spontan und völlig überraschend entschloss ich mich im Juli nochmal nach draußen zu gehen. Es war schon erstaunlich zu sehen, über welche Wachstumskraft die Weide verfügt. Obwohl es nicht meinen sonstigen Gewohnheiten entsprach, blieb ich noch einige Tagen draußen, um den Moment nicht zu verpassen, an dem sie wegfliegt.

Foto: Dieter Motzel. Juli 2017

Zeichnung: Dieter Motzel

Ein anderer Kahlschlag gab mir mehr zu denken. Und der ging völlig den Bach runter. Ich stibitzte einem Kerl die Perücke, der ohne dieses Attribut kaum noch zu erkennen war. Ich tat das nicht aus purer Boshaftigkeit. Ich brauchte einfach eine Garage für meinen Hund.

dm

„Bach ohne Perücke“. Zeichnung: Dieter Motzel

„Perücke ohne Bach“. Zeichnung: Dieter Motzel

Es passiert nicht alle Tage …

21. Juli 2017 § 15 Kommentare

Foto: Dieter Motzel

Es passiert nicht alle Tage, dass mir Schopenhauer und Hegel bei der Arbeit zuschauen. Während ich an Schubert arbeitete, irritierte mich der Blick von Schopenhauer. Sein abschätziges Lächeln gefiel mir nicht. Hegel dagegen interessierte sich nicht für mich und blickte stattdessen auf Gott und die Welt. Gut für Schubert, dass mich nicht auch noch Hegel ablenkte. Sicherlich ist es auch besser, alleine Schopenhauer die Schuld in die Schuhe schieben zu können, wenn der Schubert misslingt.

„Schubert“, Zeichnung: Dieter Motzel

Ach, wenn ich Schubert wär, könnte ich wunderbar singen und auch noch die Forelle vertonen, die vor mir auf dem Teller liegt. Nun gut, wenn ich Schubert wäre, dann wär ich auch schon seit 1828 tot. Irgendwie kann man doch nicht alles haben.

dm

Slowfood

14. Juni 2017 § 13 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Es kann nicht oft genug gesagt werden

2. Juni 2017 § 19 Kommentare

Mischtechnik: Dieter Motzel

Böser Hund

26. Mai 2017 § 8 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel

Böser Hund

Der kahle Kopf war wohl keine Extravaganz von ihr, sondern eher die sichtbare Auswirkung einer Chemotherapie. Zumindest vermutete ich es. Dass ich den Köter mit ihr an der Leine lange Zeit nicht gesehen hatte, sprach dafür. Klein und zäh war sie nun geraume Zeit wieder mit schnellen Schritten unterwegs, um ihren Hund das Revier abpinkeln zu lassen. Ihr Mann, ein langer Lulatsch, der sie zwei Köpfe überragte, folgte ihr meist mit einigen Schritten Abstand. Wenn ich es mir recht überlege, sah ich sie nie miteinander gehen, eigentlich nur hintereinander mit entsprechender Lücke zwischen sich.

Als Hundehalter kennt und begegnet man sich im Viertel, oder man vermeidet es, so gut es geht, indem man die Straßenseite wechselt, einen anderen Weg einschlägt, um Gekläffe zu entgehen. So hielt sie es auch mit mir. „Der ist böse!“, ihr Zeigefinger deutete dabei unbarmherzig auf mich. Ein abrupter Richtungswechsel vollzog sich sogleich, dem Mann und Hund folgen mussten, ob sie wollten oder nicht. Ich wäre wenig verwundert gewesen, wenn sie sich danach bekreuzigt hätte, aus Dank, dem Bösen nicht in die Augen sehen zu müssen.

Als wir uns vor Jahren zum ersten Mal begegneten, rannte sie förmlich, mit einem kläffenden tiefergelegten Hündchen an der Leine voran, auf mich zu. Nach der oft gehörten Devise, der will nur ein bisschen spielen, wuselte das Ding an ihrer Leine abwechselnd zwischen den Beinen meines Hundes und mir herum. Womit ich noch ganz gut leben konnte, machte meinem Hund, begrenzt durch die Leine, zunehmend zu schaffen. Er knurrte mal vernehmlich und zeigte dem Ding seine Zähne. Nachdem sie begriffen hatte, dass die Bereitschaft meines Hundes, an diesem Tag zu spielen, gegen null tendierte, zog sie ohne ein weiteres Wort von dannen. Nur war ich für sie nun der Inbegriff des Bösen. Seither sind wir uns noch sehr oft nicht begegnet.

Nur die schnelle Bildung eines Hohlkreuzes und ein Ausfallschritt verhinderten, dass ihn die wütende Wucht des Trittes am Allerwertesten traf. Er hielt sich wacker aufrecht, verlor aber ein wenig von seiner Größe. Vermutlich wäre mir das Geschimpfe und Gezeter entgangen, wenn es nicht eine so beeindruckende Lautstärke entwickelt hätte. Als ich aus dem Fenster blickte, sah ich ihren Tritt, der sie fast selbst aus dem Gleichgewicht gebracht hätte, begleitet von einem lauten: „Du Arschloch!“. Traumatisiert von der Situation hielt selbst ihr ewig kläffender Hund die Klappe. Der Mann schwieg ebenfalls, und zum ersten Mal überhaupt sah ich ihn vorauseilen. Obwohl es wohl eher eine Flucht war, denn Entsetzen und Angst waren sichtbar. Nachdem das Trio aus meinem Blickfeld verschwunden war, sah ich sie lange Zeit nicht mehr.

Ich hätte einen Film drehen können – neue Einstellung, gleiches Szenenbild: mein Blick aus dem Fenster am Schreibtisch sitzend. Ihre schnellen Schritte hatten sich in einen zögerlichen Gang gewandelt. Sie war allein, nur etwas Verwirrtes begleitete sie. Ihr Gesicht hatte einige Schwellungen vorzuweisen und ein blaues Auge leuchtete. „Der Böse“, hinter seinem Schreibtisch sitzend, konnte sich einer Empathie für sie nicht erwehren, als sie wirklich in jede Mülltonne blickte, auf der Suche nach ihrem kleinen Hund.

dm

Baum der Erkenntnis

23. Mai 2017 § 21 Kommentare

Zeichnung: Dieter Motzel